Kandahar International Airport - Besprechungsraum

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Samantha Carter
Erster Offizier Rapiditas, Teammitglied SG-1
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Kandahar International Airport - Besprechungsraum

Beitrag von Samantha Carter » 29.05.2025, 01:54

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John Sheppard
Militärischer Leiter Atlantis, Teamleiter SGA-1
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Beitrag von John Sheppard » 08.06.2025, 03:13

Der Kandahar International Airport, eine riesige Verbesserung im Vergleich zu Camp Rhino. Es gab Sanitäranlagen, Stromaggregate und das Wasser war nicht mehr so streng rationiert wie mitten in der Wüste. Die Techniker sorgten immer mehr dafür, dass es zu einem richtigen Stützpunkt wurde. Es gab inzwischen sogar eine Kantine. Gestern war der erste Besprechungsraum eröffnet worden und in der großen Wartehalle zu schlafen hatte riesige Vorteile gegenüber einem Zelt irgendwo, wo gerade Platz war. Die Marines und auch die Air Force Soldaten, die hier stationiert waren, fanden langsam in einen geregelten Tagesablauf, wenn es so etwas mitten in einem Kriegsgebiet überhaupt gab. Kandahar mochte inzwischen befreit sein, aber das bedeutete nicht, dass ihr Einsatz vorbei war. Ganz im Gegenteil, John war fest davon überzeugt, dass der Ärger gerade erst anfing. Besonders da sich der nächste Einsatz schon abzeichnete.

Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass die Taliban in Hazar Quadam ein Waffenlager eingerichtet hatten, das es zu zerstören galt. Rob und er hatten das Gebiet gestern noch einmal überflogen und dabei war ihnen noch etwas anderes aufgefallen. Nicht nur in Hazar Quadam gab es verdächtige Aktivitäten sondern ihnen waren in unmittelbarer Nähe einige sehr unscheinbare, sehr gut getarnte Lehmhütten aufgefallen. Sie hätten sie fast übersehen, wenn Rob nicht auf einmal auf der Wärmebildkamera mehrere Personen entdeckt hätte, die ungewöhnlich schnell in den Lehmhütten verschwunden waren, vermutlich um Waffen zu holen, mit denen sie ihren Helikopter abschießen konnten. Aus diesem Grund war John schnell abgedreht, während Rob noch einige Aufnahmen gemacht hatte. Die Mistkerle hatten trotzdem versucht auf sie zu schießen, aber sie waren glücklicherweise schon außer Reichweite gewesen und so schnell wie nur möglich zum Stützpunkt zurückgekehrt. Ihre Vorgesetzten mussten dringend über diese Entwicklung informiert werden, denn diese Entdeckung konnte nicht nur den geplanten Angriff auf Hazar Quadam beeinflussen sondern auch weitere Aufklärungsflüge. Die Lehmhütten waren so gut versteckt, dass die Taliban von dort aus problemlos ihren Hubschraubern und Flugzeugen auflauern konnten. Würden sie die falsche Route für den Anflug benutzen, könnte das die Mission beenden, bevor sie überhaupt begonnen hatte und zum Tod von unzähligen Kameraden führen.

Nur einen Tag später hatte der Colonel eine Besprechung einberufen und John hatte die Akten von einem neuen Team erhalten. Bisher hatten meistens Rob und er auf Aufklärungsflügen zusammengearbeitet oder er hatte ein Sanitäterteam zusammen mit Holland oder Rob als Copilot bei Such- und Rettungsmissionen gehabt. Doch nun ging es um eine Mission am Boden und es war klar, dass ihm dafür einige Marines zugeteilt wurden. Captain 'Gouda' Holland würde ihn auch dieses Mal begleiten. Dass Gouda den Pilotensitz übernehmen sollte, war nicht ungewöhnlich, in Anbetracht dessen, dass John das Bodenteam anführen sollte. Der Copilot, ein Lieutenant Ashton Miller, war neu in Afghanistan und hatte bisher noch nicht einmal ein Rufzeichen. Nun ja, das konnte er sich auf dieser Mission verdienen. Je nachdem, wie er sich schlug, konnte es sogar ein ganz gutes werden. Wobei sowohl sein Nachname als auch die Tatsache, dass er Hubschrauber flog, schon fast danach schrien ihn Windmill zu nennen. Die Entscheidung würde in vier, vielleicht fünf Tagen und nach ein paar Bier fallen.

Dann hatte er noch drei Marines zugeteilt bekommen. Captain Patrick Newman. John kannte ihn schon von einer anderen Mission. Er war ein guter Mann und verstand etwas von seinem Job. Lieutenant Branden Gilmore hatte er auch schon in Camp Rhino getroffen. Der Kerl hatte mehr Ausdauer als die meisten anderen und war ein verdammt guter Schütze, der ihm bei einem Schießtraining fast die Hosen ausgezogen hätte, aber auch nur fast. Im Endeffekt hatten sie sich auf ein Unentschieden geeinigt. Und dann war da Lieutenant Laura Cadman. Ihre Akte las sich beeindruckend. Wenn sie auch nur die Hälfte von dem konnte, was in der Akte stand, dann würden sie sich keine Gedanken machen müssen, wenn sie auf irgendwelche Sprengfallen trafen und da die Taliban es liebten überall mit Bomben verbundene Stolperdrähte zu spannen und Minen zu legen, war John sich sehr sicher, dass sie Cadmans Expertise mehr als einmal brauchen würden. Es blieb nur zu hoffen, dass sie auch die Nerven für so einen Einsatz hatte. Sie war wohl noch nicht lange in Afghanistan und es war ungewiss, wie es mit ihrer Belastbarkeit aussah. Er würde sie genau im Auge behalten und für morgen und übermorgen ein gemeinsames Training anberaumen, um sein neues Team genauer kennenzulernen und ihre Fähigkeiten in einer Kampfsituation besser einschätzen zu können.

Ein Blick auf seine Armbanduhr zeigte ihm, dass es Zeit für die Besprechung war und er schlug die Akten zu, die er auf dem Boden vor sich ausgebreitet hatte. Das war ein weiterer Vorteil ihres neuen Stützpunktes. Sie hatten genügend Platz gehabt, um einen abgetrennten Bereich für die Teamleiter und Offiziere einzurichten, in denen sie ihre Einsätze vorbereiten konnten. Büromöbel gab es zwar noch nicht und sie mussten mit ein paar Kisten oder dem Boden vorlieb nehmen, lediglich der Computer, der in einer Ecke aufgebaut worden war, hatte einen Tisch und einen Stuhl bekommen, aber es war mehr als nichts und der Raum, der durch Vorhänge, wie man sie eigentlich von Krankenstationen kannte, vom Rest der Wartehalle abgetrennt war, wurde von allen Teamleitern gerne genutzt.

Als er den Bereich verließ, wurde er sofort kreischend von Alba, dem Gerfalkenweibchen, das sie mit einem gebrochenen Flügel und halb verdurstet in der Nähe von Camp Rhino gefunden und dann mehr schlecht als recht gesund gepflegt hatten, begrüßt. Die Vogeldame würde wahrscheinlich nie wieder fliegen können und fast jeder Pilot in der 451st Air Expeditionary Group, der auch John angehörte, hatte Mitleid mit dem weißen Falken. Aber sie war schnell zu ihrem Maskottchen geworden und würde gewiss noch eine Weile bei ihnen bleiben, bis die Tierhilfsorganisationen auftauchten und sie ihre gefiederte Freundin in Sicherheit bringen konnten. Ein Stützpunkt war kein Ort für so ein sensibles Tier, aber es war immer noch besser als tot in der Wüste zu liegen.

“Hallo, Große.”, begrüßte John den Falken, der sein neues Rufzeichen endgültig zementiert hatte und schmunzelte, als das Tier vertrauensvoll auf seinen Arm kletterte und es sich dann auf seiner Schulter bequem machte.

“Du weißt schon, dass ich gleich in eine Besprechung muss, oder?”, meinte er und konnte es doch nicht lassen, dem Falken über das Gefieder zu streicheln. Alba ließ es sich gefallen und sorgte im Gegenzug dafür, dass seine Frisur noch ein wenig wilder wurde, als sie eh schon war. Das würde dem Colonel sicher gefallen.

Als er an der Nische vorbeikam, wo Rob und er ihr Nachtlager hatten, setzte er die Vogeldame vorsichtig ab und verabschiedete sich von ihr.
“Wir sehen uns später.”

Wahrscheinlich würde er sie später, wenn er aus der Besprechung kam, auf Rob schlafend vorfinden. Sein Kamerad war gerade auf einem Testflug mit einem frisch reparierten Hubschrauber und würde sich sicher ein wenig hinlegen, sobald er zurückkam. Er fand es schade, dass Rob ihn nicht auf dem nächsten Einsatz begleiten würde, aber irgendjemand musste auch auf dem Stützpunkt bleiben, oder wie sein Kamerad gesagt hatte: Irgendjemand musste zurückbleiben, um John den Hintern retten zu können, wenn er sich wieder einmal in Schwierigkeiten brachte. Als ob er ständig Probleme bekommen würde. Er hatte Korea, 911, Leaghenworth und eine Scheidung überlebt. Da würde er sich sicher nicht von irgendwelchen Taliban umbringen lassen. Alba machte es sich auf seiner Reisetasche, aus der er mangels richtiger Schränke oder zumindest Spinde immer noch lebte, bequem, als wäre es ihr Nest und John ging weiter zum Besprechungsraum.

Irgendwo draußen aus dem Rosengarten, in dem die Marines immer noch ihr Zeltlager hatten, hörte er das Bellen eines Diensthundes. Ein anderer Hund antwortete ihm und John war wieder einmal aufs Neue erstaunt, wie viele Tiere hier neben den Soldaten inzwischen lebten. Die Diensthunde, Alba und es würde sicher nicht lange dauern, bis die ersten Katzen auftauchten. Irgendwie schlichen sich in jedem Stützpunkt irgendwann Katzen ein. Ein Stützpunkt ohne Katze war schon eher eine Ausnahme als die Regel. Es würde ihn noch nicht einmal wundern, wenn es selbst in so einer Untergrundbasis wie NORAD Katzen gäbe. Aber die Tiere waren für sie alle ein Trost, besonders nach schweren Missionen. Niemand hatte so viel Verständnis wie ein treuer Hund oder beruhigte die Seele so wie eine schnurrende Katze. Und vor allen Dingen verrieten die Tiere einen nicht an irgendeinen Teamleiter oder Vorgesetzten, wenn man ihm von seinen Sorgen oder Alpträumen erzählte. Die Geheimnisse, die man vor sonst keinem Kollegen aussprechen konnte ohne Gefahr zu laufen von der Missionsliste zu fliegen oder die Flügel gestützt zu bekommen, waren bei ihnen sicher.

Vor dem Besprechungsraum zog er noch einmal seine beige Uniformjacke zurecht und betrat dann den Raum. Colonel Cox war bereits anwesend, doch einige andere fehlten noch.
“Sir.”, begrüßte John seinen Vorgesetzten respektvoll und konnte es nicht verhindern, dass ihm ein kalter Schauer den Rücken herunterlief, als die eisigen tiefblauen Augen des Colonels zu ihm blickten. Irgendetwas sagte ihm, dass er diesem Offizier nicht vertrauen durfte. Er meinte es nicht gut mit ihm und wahrscheinlich auch nicht mit Rob.

“Falcon.”, erwiderte der Colonel die Begrüßung und John schluckte. Dieser Kerl war der Grund, warum er nicht mehr Guide genannt wurde. Nur weil Cox der Meinung war, dass ein Offizier, dessen Akte zum größten Teil wegen all der Geheimmissionen geschwärzt war, sich noch kein ordentliches Rufzeichen verdient hatte, hatte er hier wieder bei Null anfangen müssen und natürlich hatte er direkt danach eine Bruchlandung mit einem brennenden Helikopter hingelegt. Burning Falcon war für diese üble Landung noch geradezu schmeichelhaft. Er hatte nur keine Ahnung, was der Colonel gegen Guide hatte, aber das würde er schon noch herausfinden.

“Gehören Federn seit neuestem zur Uniform?”, stichelte der Colonel und John merkte sofort, was sein Vorgesetzter meinte. Alba hatte eine ihrer weißen Federn an seinem Kragen hinterlassen.

“Nein, Sir.”, erwiderte John zerknirscht und ärgerlich und ließ die Feder schnell in seiner Brusttasche verschwinden. Freunde würden Cox und er sicher nie werden.

“Setzen Sie sich, Major.”, wurde er fortgeschickt und John konnte es nicht vermeiden, dass sein “Ja, Sir.” etwas zynisch klang. Leute wie der Colonel waren der Grund, warum Air Force Piloten als arrogant verschrien waren. Hochnäsig, von sich selbst überzeugt und unnahbar stand sein Vorgesetzter weiterhin vorne und bereitete seine Präsentation vor. Hatte irgendjemand diesen Kerl nach Ende der Dienstzeit schon einmal ein Bier trinken, pokern oder Dart spielen gesehen? Vermutlich eher nicht. Er könnte sich ja den Stock, den er verschluckt hatte, brechen.

John wandte sich ab und entdeckte einen freien Platz neben Holland.
“Hey Gouda.”, begrüßte er seinen Kameraden, während er sich auf den Stuhl neben ihm sinken ließ.

“Na Bacon.”, erwiderte Holland und benutzte absichtlich die fiese Variante seines Rufzeichens. “Wir sind wohl gerade in der Mauser.”, spielte selbst sein Kumpel auf die Feder an und John verdrehte die Augen.

“Und du hast immer noch einen Knutschfleck am Hals. Wie hieß sie nochmal? Arizona Hedgehog?”, konterte John frech und spielte damit auf Hollands etwas unangenehme Begegnung mit einem Kaktus an.

“Fragt der Bursche aus Arizona. Dieses Mädel hast du doch sicher schon hundertmal geküsst.”

Spielerisch trat John Holland gegen das Bein, bevor der Colonel sich räusperte und er zusammen mit Holland sofort Haltung annahm. Dabei war doch gegen etwas Spaß nichts einzuwenden, oder? Ihr Job war schon ernst genug und die Besprechung hatte immerhin noch nicht begonnen.

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Laura Cadman
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Beitrag von Laura Cadman » 28.06.2025, 00:26

Die Landschaft, soweit ihre Augen sehen konnten, wiederholte sich. Eingeschränkt wurde das Sichtfeld des Lieutenants lediglich durch die immer wieder auftretenden Hügeln. In vier Meilen Entfernung konnte sie die Stadtgrenze Kandahars ausmachen. Von ihrer Position und Route aus betrachtet lag die Stadt, die sich in einer weiten Ebene befand, östlich. Die Stadt, die zu einem wichtigen Knotenpunkt in der Region gehörte, war schon immer von strategischer, zentraler Bedeutung gewesen. Das war sie auch vor dem Krieg der USA gegen die Taliban gewesen. Die Sowjets hatten in den 80er Jahren Kandahar aus eben bestimmten Gründen eingenommen. Die zweitgrößte Stadt des Landes bot eine ideale Ausgangsposition, um militärische Operationen im Süden des Landes durchzuführen. Zur damaligen Zeit hatten die Sowjets ein zentrales Logistik- und Nachschubzentrum aufgebaut. Es gab einen großen Militärstützpunkt, von dem nur noch wenige Kasernen übrig geblieben waren und auch die waren alles andere als brauchbar.
Der Flughafen hingegen bot eine bessere Möglichkeit gegen die Taliban weiter vorgehen zu können. Über Transportflugzeuge wurde Personal und Material schnell herangeschafft. Verwundete konnten ebenso schnell hinausgeflogen werden. Luftunterstützung in der Region war gewährleistet und auch wichtig. Denn wie die Mudschaheddin, die gegen die Sowjetunion in einem Guerillakrieg kämpften, waren es nun die Taliban, die deren Methoden heutzutage verwendeten. Inbegriffen waren damit Angriffe auf Patrouillen und Nachschub, Sabotageakte, Anschläge oder Kämpfe in den nahegelegenen Bergregionen.
Auch heute hatten die US-Streitkräfte wieder Patrouillen rund um Kandahar unternommen. Der Squad, dem die Rotblonde angehörte, war in Richtung Nordosten aufgebrochen. Die anfängliche Route ging durch die Ebene der Region die ein halbwüstliches Klima, mit steppenartiger Vegetation besaß. Nach einigen Meilen hatte der Staff Sergeant schließlich die Anweisung gegeben nach Westen einzuschlagen, um den nördlichen Bogen rund um Kandahar zu erkunden. Vom Norden bis nach Westen in Richtung des Arghandab Flusses verlief eine niedrige Bergkette mit Hochlandausläufern. Eine sprichwörtlich ideale Gegend für gegnerische Kämpfer Anschläge und Angriffe durchzuführen. Sei es durch verdeckte Scharfschützen oder Sprengfallen. In ihrer ersten Woche hatte sie, Cadman, bereits zwei Sprengsätzen entfernen dürfen. Sie waren auf der Highway 1, auch bekannt als Ringstraße, platziert worden. Die umgangssprachliche Ringstraße war die Verbindungsstraße durch Afghanistan und verband auf ihre etwa 3.300 km langen Strecke die vier größten Städte des Landes: Kabul, Kandahar, Herat und Masar-e Scharif.
Heute jedoch blieb es ruhig und als ihr Konvoi aus drei High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle – HMMWV – besser unter dem Namen Humvee bekannt, entlang des Arghandab Flusses entlang fuhren, näherte sich ihr Ausflug dem Ende. Darüber war die junge Offizierin auch nicht böse. Die Tagestemperaturen lagen im Schnitt bei gerade um die 10 °C. Zweistellige Temperaturen waren immer wieder zu erreichen. Weit darüber kamen die Temperaturen jedoch nicht. Nachts hingegen kämpfte man gerade um den Gefrierpunkt. In der vergangenen Nacht war die Temperatur fünf Grad unterhalb des Gefrierpunkts gerutscht. Gerade bei ihrer Route im Norden der Stadt hatte Laura den Frost sehen können. Die kristallinen Formen gefrorener Luftfeuchte hatte im fahlen Licht leicht auf dem Boden geglitzert, während ihre gepanzerten Fahrzeuge, durch das Gelände gefahren sind.
Mittlerweile hatte ihr Squad den ersten Checkpoint auf der befestigten Straße zwischen Kandahar und dem internationalen Flughafen erreicht. Die mit einem V8 Dieselmotor betriebenen Fahrzeuge schnurrten recht ruhig, während Laura ihre Kollegen mit einem Nicken grüßte. Dabei hörte sie ein Niesen hinter sich. Die Sprengstoffspezialistin saß auf dem Beifahrersitz. Dank ihres Fachgebiets war sie recht wenig am stehenden Drehkranz der M2 Browning .50 cal zu finden. Dem Niesenden, in dem Fall ein junger Sergeant bekam ein Taschentuch und ein Lacher spendiert, bevor sie, in knappen sieben Minuten, das Gelände ihres Stützpunktes erreichten. Schließlich fuhren die Fire Teams mit ihrem jeweiligen Humvee durch die letzte Zugangskontrolle. Eine Entspannung folgte in der die Humvee's geparkt und ihre Ausrüstung, wie Waffen, Westen und dergleichen verstaut wurden.
Die Bewegung fühlte sich gut an. So ein gepanzertes Fahrzeug war nicht für Komfort bestimmt gewesen und die vergangenen Stunden des Sitzens hatten fast dazugeführt, das ihr Sitzfleisch eingeschlafen wäre. Es kribbelte leicht in ihrem Hintern, während sie sich in Richtung Sanitäranlagen bewegte. Ein weiterer Punkt bevor es weiter zur Besprechung ging: das Toilettengeschäft. Anschließend und in normaler Uniform gekleidet, betrat die Rotblonde den Besprechungsraum.
„Colonel“, begrüßte die Soldatin den Ranghohen wie es sich gehörte, bevor sie, nach einem Wimpernschlag, sich auf einen der freien Sitze und gegenüber den bereits Anwesenden niederließ. Ihre Augen wanderten zu den Air Force Angehörigen die sie mit einem leichten Kopfnicken begrüßte. In den gerade einmal zwei Wochen hatte sie nicht alle kennenlernen können. Das würde sich noch ändern. Zumindest mit den Mitgliedern ihrer anstehenden Mission.

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John Sheppard
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Beitrag von John Sheppard » 27.07.2025, 15:21

Obwohl Holland und er inzwischen ihre Spielerei aufgegeben hatten, ruhte der Blick von Colonel Cox noch einen Augenblick länger auf ihm und John fragte sich wieder einmal, was er dem Kerl angetan hatte. Zum Teil wünschte er sich wieder zurück unter das Kommando von General Mavis. Besonders in der Anfangszeit hatten der Marine und er sich gut verstanden. John hatte seinen Führungsstil sogar inspirierend gefunden. Obwohl Rob und er keine Marines waren, sondern dem Team hauptsächlich als Spezialisten für Such- und Rettungs- sowie für Aufklärungsmissionen zugeteilt worden waren, hatte er sie sofort unter seinem Kommando akzeptiert und sie nicht anders behandelt als jeden anderen Soldaten unter seinem Kommando. Das hatte natürlich auch bedeutet, dass er ähnliche Erwartungen an sie wie an seine Marines hatte, aber sie hatten sich angepasst. Außerdem hatte er es dem General hoch angerechnet, dass er sich nicht irgendwo in den Gebäuden des Stützpunktes gemütlich eingerichtet hatte, sondern dass er mit seinen Soldaten draußen in einem Zelt geschlafen und genauso wie sie nachts gefroren hatte. Er hielt sich nicht für irgendetwas besseres, sondern war ein Teil ihres Teams gewesen und hatte sie sogar unterstützt, als sie Alba von einem Einsatz mitgebracht hatten. Manch anderer hätte angeordnet, dass der Falke erschossen oder zumindest eine tödliche Injektion vom Teamarzt erhalten sollte. Aber da der Falke eindeutig domestiziert war und die Wahrscheinlichkeit riesig war, dass sie, als sie Camp Rhino eingenommen hatten, ihren Besitzer getötet und sie ihrer Heimat beraubt hatten, hatte er ihnen erlaubt sich um sie zu kümmern. Alba hatte sich sofort in dem alten Falkengehege wohlgefühlt und es war mehr als deutlich gewesen, dass Camp Rhino ihre Heimat möglicherweise sogar ihr Schlüpfort gewesen war.

Doch dann war der Tag gekommen, an dem John die Welt nicht mehr verstanden hatte und der genau der Grund war, warum er sich eben nur zum Teil zurück unter General Mavis Kommando wünschte. Nicht weit von Camp Rhino entfernt, war es zu einem Zwischenfall gekommen, bei dem ein Bomberflugzeug eine Bodenstellung angegriffen hatte, bei der sich im Endeffekt herausgestellt hatte, dass sie bereits von afghanischen Ortskräften und der Army besetzt wurde. Es gab zahllose Verletzte, die unbedingt Hilfe brauchten. Als das bekannt wurde, hatten die Quick Reaction Crews, zu denen an diesem Tag auch John gehört hatte, in vorrauseilendem Gehorsam die Hubschrauber fertig gemacht und nur auf den Einsatzbefehl gewartet, der dann seltsamerweise nicht kam. John wusste, dass sie in Camp Rhino teilweise verdeckt operierten und genau aus diesem Grund nur nachts flogen und den Stützpunkt nachts auch in absoluter Dunkelheit hielten, aber da draußen waren Leute von ihnen in Gefahr und sie waren nur wenige Flugminuten entfernt. Jeder andere Stützpunkt würde länger brauchen, um Hilfe zu schicken. Doch sie erhielten keine Startfreigabe. Stattdessen rückte die Air Force aus Uzbekistan an und brachte die Verwundeten zu ihnen auf den Stützpunkt, während John und all die anderen Piloten herumsaßen und sich wirklich doof vorkamen, als ihre Air Force Kollegen landeten, die Verletzten ausluden und wieder abhoben, um die nächsten Verwundeten zu holen. So viel zum Thema Sicherheitsrisiken. Wenn ihre Kollegen aus Uzbekistan den Verwundeten helfen konnten, dann auch sie. Aber der Einsatz endete, ohne dass auch ein einziger ihrer Hubschrauber abgehoben war. Noch nie in seinem Leben war John von einem Befehl so frustriert und von einem Kommandanten so enttäuscht worden.

Als sie dann in den nächsten Nächten nach und nach die Verwundeten, die stabil genug für den Weitertransport waren, ausflogen, fragte sich John immer wieder, warum sie ihnen nun helfen durften, aber nicht schon am Tag das Zwischenfalls. Was war nun anders? Was war dem General durch den Kopf gegangen, als er mehrfach abgelehnt hatte Hilfe zu schicken, obwohl er Leute in seinem Team hatte, die für den Einsatz weit hinter feindlichen Linien ausgebildet waren? Er hatte immer noch keine Antwort auf diese Frage und würde wahrscheinlich nie eine bekommen. Wenig später war Camp Rhino aufgelöst worden und er war hier am Kandahar International Airport gelandet unter Colonel Cox, einem Kommandanten, dessen Führungsstil er absolut nichts abgewinnen konnte. Im Vergleich zu Cox war sein Drill Sergeant an der Virginia Tech ein richtiger Teddybär gewesen. Aber was war der Grund dafür und warum traf es hauptsächlich Rob und ihn? Und was hatte sein altes Rufzeichen, Guide, damit zu tun?

Der Umgang mit den Marines, die gerade den Raum betraten, wirkte deutlich neutraler und das obwohl Cadman und auch Newman scheinbar gerade erst von einem Einsatz zurückkamen und vermutlich noch keine Gelegenheit zum Duschen gehabt hatten. Sie hatten sich lediglich umgezogen. Albas Feder hatte Cox fast in den Wahnsinn getrieben, doch der Wüstenstaub, den die Marines mitbrachten, war ihm egal. John schenkte besonders seinen Teammitgliedern für diesen Einsatz ein freundliches Lächeln und lehnte sich auf dem harten Plastikstuhl etwas zurück, als Colonel Cox die Besprechung eröffnete.

“Guten Tag, meine Herren und Dame.” Schon wieder ein Minuspunkt für Cox. Ja, es war mehr als deutlich, dass Cadman die einzige Frau im Raum war, aber musste man das wirklich so herausstellen und besonders auch mit so einer zynischen Betonung? Was Bombenentschärfungen betraf, konnte diese junge Frau wahrscheinlich Cox und auch ihm noch etwas beibringen und trotzdem sprach er das Wort Dame so aus, als wäre Cadman fehl am Platz hier.

“Wir werden zuerst über den Angriff auf Hazar Quadam in drei Tagen sprechen. Anschließend wird Falcon das Briefing für den Nebeneinsatz, der zur selben Zeit stattfinden soll, übernehmen.” Cox funkelte ihn an, als hätte er einen Treffer gelandet. Erwartete er etwa, dass John nicht vorbereitet war? Da hatte er sich aber geschnitten. Im Prinzip müsste Cox inzwischen wissen, dass er seine Missionen immer gründlich vorbereitete. Die Nachbearbeitung ließ er manchmal etwas schleifen. Häufig weil er da schon wieder mit der Vorbereitung für eine andere Mission beschäftigt war. Aber er wusste, dass eine gründliche Vorbereitung die halbe Miete bei einem Einsatz war, und würde sich nur im äußersten Notfall unvorbereitet in einen Kampf stürzen. Deshalb ließ er sich auch nicht von Cox beunruhigen, sondern erwiderte seinen Blick stoisch und ruhig. Damit war Cox Angriff schon einmal daneben gegangen und John würde sein bestes geben, dass das auch so blieb. Er war sich nur nicht sicher, ob seine Mission wirklich ein Nebenziel war. Die Lehmhütten waren viel zu verdächtig gewesen. Hazar Quadam dagegen… Der Angriff dort fühlte sich seltsam an. Er konnte nur nicht genau sagen warum. Vielleicht war es die Tatsache, dass Rob und er bei ihrem Aufklärungsflug dort absolut nichts verdächtiges gesehen hatten. Dabei musste das nichts bedeuten. Es musste noch etwas anderes geben. Irgendeinen Grund, warum sein Verstand ihm sagte, dass die Lehmhütten wirklich wichtig waren, Hazar Quadam aber nicht. Er kam nur nicht darauf.

“Bitte beachten Sie, dass diese Besprechung hochvertraulich ist. Für den Erfolg der Mission ist es erforderlich, dass der Einsatz überraschend erfolgt. Gespräche über die Mission haben daher nur in gesicherten Räumen wie diesem hier und gegenüber ihren Teamkameraden zu erfolgen. Ich und Falcon werden die an der Mission beteiligten Unteroffiziere separat briefen.” Ein weiterer Blick zu ihm und John nickte nur, bevor Cox seinen Blick durch den Raum schweifen ließ.

Erst dann begann er mit den genaueren Details für die Mission. Er legte eine Übersichtskarte auf dem Overheadprojektor auf. Ihr Ziel war deutlich sichtbar und auch die geographische Lage. Die Übersichtskarte wurde durch Aufklärungsfotos ergänzt, die Rob und er gestern gemacht hatten. Hazar Quadam war knapp 30 Flugminuten mit ihren Blackhawks entfernt. Die Landezone war gut gewählt. Einige Kilometer entfernt in einem Tal, wodurch die Geräusche ihrer Hubschrauber verborgen bleiben würden. Der Startzeitpunkt war für 2130 festgesetzt worden und John hoffte, dass das Wetter gut sein würde. Aktuell schneite es immer wieder und obwohl er schon trotz White Out gelandet war, wusste er, dass Holland darin noch keine Erfahrung hatte. Auch bei den anderen Piloten in ihrer Einheit war der Kenntnisstand, was solch widrige Wetterbedingungen betraf, eher durchwachsen. Der Erfolg ihrer Mission würde daher massiv von dem Wetter beeinflusst werden. Detailliert beschrieb Cox wie der Angriff auf die beiden Ziele in Hazar Quadam ablaufen sollte, bis er schließlich seine Erklärungen beendete und in die Runde blickte.
“Gibt es noch Fragen?” Kalt blickte der Colonel jeden aus dem Team an, bevor er schließlich den Overhead Projektor ausschaltete und sich bereit machte an John zu übergeben.

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Laura Cadman
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Beitrag von Laura Cadman » 12.08.2025, 00:15

Obwohl sie recht frisch in Kandahar stationiert war, hatte Cadman bereits das Wichtigste in Erfahrung bringen können. Abgesehen von Missionsberichten, dem täglichen Status und dem Verlauf der amerikanischen Operation außen vorgelassen. Es gab Dinge, die nebenher ebenso informativ waren wie der Bericht der letzten Luftaufnahme. In etwa Cox, den Befehlshaber hier in Kandahar. Gewisse Gepflogenheiten wollte sie auf Anhieb immer schnell in Erfahrung bringen. Im Bezug auf Umgang mit Kameraden, den unteren Offizieren oder, wie in ihrem Fall, der Umgang und der Ton mit einer Frau.
Den Respekt eines Vorgesetzten würde Laura deswegen nicht verlieren, aber die junge Frau wusste das eine Frau in Uniform für viele immer ein Fremdbild bleiben würden. Gerade die überaus traditionsbewussten Männer, bei der bereits der eigene Vater, dessen Vater und dessen Vater zuvor für die Heimat und Vaterland gedient hatten. Ein typisches Klischee von militärischem, patriotischem Familienleben. Ginge es nach den Köpfen von solch einigen, wäre Cadman niemals in Afghanistan gelandet. Doch die Zeiten änderten sich, wenn auch langsam und besonders für eine Frau. Dennoch hatte es die Rotblonde weit gebracht. Eine Spezialistin im Sprengstoffkommando, mit dem Rang eines Lieutenant im Ausland. Die Marine hatte einiges an benehmen und verhalten erlebt und überlebt. Sowohl von Gleichgestellten, als auch von Vorgesetzt. Wobei erstgenannte durchaus mehr Konter bekam als ein direkter Vorgesetzter. Rangordnung konnte verflucht scheiße sein. Vor allem dann, wenn der Befehlshabende eine Frau nicht in seinem Kommando wollte.
In diesem Falle zeigte Cadman ein leichtes, neutrales Schmunzeln, als Cox zu einer Begrüßung ansetzte. Von seiner zynischen Ausdrucksweise ließ sich die Soldatin nicht beirren und verweilte daher recht ruhig auf dem billigen Plastikstuhl, der irgendwo abgegriffen und herbeigeschafft worden war. Beschweren würde sie sich nicht. Angesichts der bisherigen Situation, war ein vernünftiges sitzen, ganz gleich wie billig die Unterlage auch sein mochte, dem Luxus doch recht nahe. Und nach der gerade eben absolvierten Rundfahrt mit der kleinen Kolonne an Humvees tat es ihrem Hintern ein wenig gute Abwechslung zu bekommen.
Den Oberkörper hatte sie leicht nach vorne geneigt. Die Finger ihrer Hände ineinander verschränkt, auf den sie ihren Kopf ruhen ließ. Der Rest ihrer Arme stützen sich, allem voran mit den Ellenbogen, am Tisch ab. Auch so etwas, ein Tisch zu haben, war so etwas wie ein wenig Luxus. Der Standortwechsel zum Flughafen von Kandahar hatte einige Vorteile mitgebracht. Bessere Lebensbedingungen. Etwas war, wie sie aus den Augenwinkeln wahrnahm, auf der Oberfläche leicht hinein geritzt worden. Hatte sie zuerst noch geglaubt etwas tiefsinniges gefunden zu haben, vermutete die Marine zwei Sekunden und einen Blick später, einfach das Werk eines Schülers gefunden zu haben, der sich im Unterricht gelangweilt zu haben schien und eben jene Langeweile an dem Mobiliar ausgelassen zu haben. Vermutlich stammten einige Stühle und Tische einer armen, höchstwahrscheinlich zerbombten oder teils zerbombten Schule.
Vom Tisch wanderten ihre Augen weiter in Richtung Falcon. Ein junger Mann, etwas älter als Laura, der zu der Luftwaffe, der Air Force, zählte. Im großen und ganzen kannte sie ihn unter seinem Rufnamen. Schwarzes Haar. Eine leicht verwuschelte Frisur. Viel wusste sie nicht. Gar kein Wunder, da sie unter ihresgleichen, mit den Marines, oft unterwegs waren und zum anderen in zwei Wochen nicht die Möglichkeit besaß jeden einzelnen Soldaten vom GI bis hin zu Offizieren kennenzulernen. Der Blick von Cox und die Erwiderung in den Augen des US Kampfpiloten ließen, sofern Laura sich nicht irrte, erahnen, dass ein gewisse Spannung zwischen den beiden Männern herrschte. Das ließ den Mann ihr gegenüber schon jetzt deutlich sympathischer wirken.
Hingegen startete das Briefing durch Colonel Cox und ihren Einsatz in Hazar Quadam. Eine ländliche Region, Teil der Provinz Uruzgan und knapp 166 km nordöstlich von Kandahar. Schon auf den Bildern der Luftüberwachung war zu erkennen, wie verzwickt das Terrain sein würde. Bergiges Gebiet mit Tälern und gelegentlich von landwirtschaftlichen Flächen durchzogen. Sicherlich mit etlichen kleineren und größeren Höhlen, in denen der Feind ausharren konnte. Ein Flug wurde aufgrund der Entfernung mit etwas über einer halben Stunde geschätzt. Je nach Wetterlage. Laura war keine Pilotin, wusste aber, dass ein Faktor wie Rücken- oder Gegenwind durchaus Minuten sparen, aber auch kosten konnte.
Da sie aber aller Wahrscheinlichkeit keinen geraden Flug nehmen würden, vermutete die Sprengstoffexpertin, dass sie gut eine drei Viertelstunde in der Luft sein würden. Und dabei war nicht einmal die genaue Landezone einkalkuliert. Bei einer unerwarteten Überraschung oder einer sich negativ entwickelnden Operation war mit Unterstützung wohl in sechzig Minuten zu rechnen. Das konnte, in einem starken Feuergefecht, eine Ewigkeit dauern. Über das weitere Vorgehen zu Fuß wollte Laura erst gar nicht spekulieren. Von Sprengsätzen und -fallen wie dem klassischen Stolperdraht wollte sie erst gar nichts sagen.

„Colonel Cox, Sir“, ergriff die Rotblonde dann das Wort. Schließlich hatte der Colonel die Möglichkeit eingeräumt, Fragen zu stellen. „Die Mission ist klar und die Luftaufnahmen eindeutig. Gibt es Informationen von verbündeten Ortskräften? Mögliche Informationen wie groß und stark ein möglicher Feindkontakt aussehen könnte?“, erkundigte sich die Marine vorsichtig. Ganz zu schweigen von der örtlichen Zivilbevölkerung, die in kompakten Lehm- und Steinbauten lebten. Sofern es überhaupt eine Form von Elektrizität gab, dann nur durch einen Dieselgenerator. Lokale Bauernfamilien. So gut wie immer verstreut. Landwirtschaftlicher Betrieb in Form diverser Tierhaltung wie Ziegen, Schafe und Kühe.

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John Sheppard
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Registriert: 19.06.2010, 16:55

Beitrag von John Sheppard » 05.10.2025, 23:21

Cadman gefiel ihm. Die junge Frau ließ sich absolut nicht von Colonel Cox beirren, sondern erwiderte seine zynische Begrüßung mit einem charmanten Lächeln. Das war die perfekte Vorgehensweise, um so einem Idioten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er hatte nur keine Ahnung, warum Cox sich so verhielt. War er einfach einer dieser Idioten, die immer noch der Meinung waren, dass das Militär den Männern gehörte oder steckte da mehr dahinter? Genauso wie er sich fragte, warum Cox Rob und ihn so sehr hasste. Vielleicht sollte er sich mal Zugang zu der Akte von Cox verschaffen. Möglicherweise würde ihm dann einiges klarer werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass er so etwas gemacht hatte. Das war der Vorteil, wenn man vorher bei einer Geheimeinheit gewesen war. Man lernte einige Dinge, die man auch für andere Zwecke verwenden konnte. Er brauchte nur einen ruhigen Moment und vielleicht ein Ablenkungsmanöver. Das Passwort von Cox hatte er schon. Wer wählte auch schon ein Passwort, das aus dem Namen der Ehefrau, dem Titel des abgegriffensten Buchs auf dem Schrank und einer Zahl, wahrscheinlich einem Geburtsjahr bestand? 196, ihm fehlte nur noch eine Ziffer und diese befand sich im oberen Nummernfeld. Ein Fragezeichen komplettierte das Passwort. Als würde das es schwerer machen das Passwort zu erraten. Drei Kombinationen waren übrig. Die Wahrscheinlichkeit, dass er schon beim ersten Versuch richtig liegen würde, lag bei 33 %. Aber um das durchzuziehen brauchte er ein Team. Rob wäre sicher dabei, Mitch, Dex und Holland konnte er sicher auch ins Boot holen, immerhin war auch Rob direkt betroffen und da Mitch, Dex und Holland ihre Freunde waren, bekamen sie auch immer mehr den Groll von Cox zu spüren. Das Problem war nur, dass er vor einem Kriegsgericht landen würde, wenn es irgendwie auffallen würde und damit war dieser Plan, egal wie verlockend es war, besonders wenn man das Passwort schon hatte, etwas, was er nicht tun durfte, außer es gab einen sehr guten Grund dafür. Ein paar Schikanen und ein Verhalten, das nicht unbedingt zu einem guten Anführer passte, gehörten leider nicht dazu. Aber vielleicht konnte er die Gründe auf einem anderen Weg aus Cox herausbekommen. Ihm würde schon noch etwas einfallen.

Die Beschreibung der Lage und des Missionsplans war nichts neues für John und trotzdem hörte er aufmerksam zu. Alles andere würde Cox etwas gegen ihn in die Hand geben und das würde er nicht zulassen. Sie spielten ein anstrengendes Spiel, aber bisher hatte John immer noch die Oberhand und Cox machte sich schon fast ein wenig lächerlich mit seinen Versuchen ihn dumm dastehen zu lassen. Leider führte das aber nur noch mehr dazu, dass Cox auf ihn wütend war. Es war ein Teufelskreis, aus dem er unmöglich ausbrechen konnte. Tja, und mit ihrer Frage hatte Cadman sich wohl auch ins Abseits gebracht. Cox legte seine Stirn in Falten und wenn Blicke töten könnten, dann wäre die junge Offizierin mindestens ein Fall für die Krankenstation. John dagegen überlegte, ob er Popcorn holen sollte. Das könnte spannend werden und ein kurzer Blick zu Gouda zeigte ihm, dass ihm wohl ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen.

“Miss Cadman.”, begann Cox und John verzog das Gesicht. Das war fies. Cadman hatte einen Rang und es wäre angemessen sie damit anzusprechen, aber Cox war das wahrscheinlich egal. Dabei hatte Cadman eine gute Frage gestellt. Ortskräfte… War das der Grund, warum er ein schlechtes Gefühl bei der Mission hatte? “Die meisten unserer Informationen stammen von Ortskräften. Es ist davon auszugehen, dass wir es mit 50 bis 60 Taliban zu tun bekommen werden. Das Ziel ist diese so schnell wie möglich auszuschalten oder in Gewahrsam zu nehmen. Ein Luftschlag ist nicht möglich, da sich auch Frauen und Kinder dort befinden. Diese gilt es zu schonen und in Sicherheit zu bringen, sofern sie keine Gefahr darstellen.”, beantwortete Cox tatsächlich die Frage der Marine und sah sie dabei trotzdem kein einziges Mal an, dafür blickte er zu John, als wollte er ihm drohen. Die Ansage war klar. ‘Wehe, Sie sagen etwas oder schlagen sich auf Cadmans Seite.’

Aber John ging das Thema Ortskräfte nicht mehr aus dem Kopf. Irgendetwas hatte er gehört. Aber was war es? Es war in irgendeinem Report gewesen. Nicht in den Informationen, die Rob und er gesammelt hatten. Luftaufklärung war schön und gut, aber sie lieferte nicht alle Details. Es musste an anderer Stelle gewesen sein. Aber wo? Es hatte irgendeinen Bericht gegeben.
“Falcon!”, hörte er auf einmal die Stimme von Cox und realisierte, was geschehen war. Er hatte sich zu sehr in seinen Überlegungen verloren und damit dem Colonel einen Punktgewinn vor der versammelten Mannschaft ermöglicht. “Schlafen können Sie, wenn Ihre Schicht vorbei ist.”, drohte der Colonel ihm und John merkte, wie seine Ohrspitzen glühten. Dieser verdammte Mistkerl. Er hatte nicht geschlafen. Er hatte sich nur Gedanken zu einer Mission gemacht, die in seinen Augen noch nicht so klar war, wie seine Vorgesetzten dachten. Aber Colonel Cox würde das nicht hören wollen. Hätten Rob und er nicht die Frauen und Kinder entdeckt, hätte wahrscheinlich schon ein Bomber das gesamte, vermeintliche Terroristennest in die Luft gejagt. Dabei hatten sie doch schon für genug Leid gesorgt. Den Einsatz bei Shawali Kowt würde er nie vergessen, aber vielleicht machte ihn das nur etwas skeptisch und er sah friedliche Zivilisten, wo gar keine waren. Er wusste es nicht. Das einzige, was er wusste, war, dass er irgendwie den Ball wieder in Cox Spielfeld zurückbringen musste. Doch das konnte er nur mit belastbaren Informationen und nicht mit irgendwelchen Spekulationen. “Wenn Sie nicht zu müde sind, können Sie uns vielleicht von Ihrer Einsatzplanung berichten.”, fuhr Cox mit einem süffisanten Grinsen fort und es war fast genug, dass John doch noch auf die Idee kam seine Kumpels zusammenzutrommeln und Cox auszuspionieren. Aber auch nur fast. Stattdessen folgte John Cadmans Beispiel, ignorierte Colonel Cox Sticheleien, stand auf und nickte seinem Vorgesetzten zu.

“Ja, Sir.”, bestätigte er die Anweisung des Kommandanten und ging nach vorne zum Overheadprojektor. Sein Blick fiel auf eine Mappe, die auf Colonel Cox Tisch lag. Der Zeitstempel war von vor drei Wochen und auf einmal fiel ihm ein, was ihn an der Mission störte. Die Informationen zu Hazar Quadam waren zu alt. Der letzte Bericht von Ortskräften stammte von vor vierzehn Tagen. In der Zeit konnte viel geschehen sein. Sie befanden sich in einer hochdynamischen Phase. Die Situation konnte sich innerhalb von Stunden ändern. Aber sollte er Cox nun darauf ansprechen? Vor dem gesamten Team? Die Bilder von Shawali Kowt hatten sich zwar tief in seinen Kopf eingebrannt und Cox machte ihn einfach nur furchtbar wütend, doch so weit konnte er nicht gehen. Es würde die Spannungen zwischen ihnen nur noch mehr schüren. Gouda schaute fast so, als würde er darauf warten, dass er loslegte und selbst Cox schien ihn herausfordern zu wollen. Dann realisierte er auf einmal, dass Cox die Übersichtskarte vom Overhead Projektor entfernt hatte und er wusste, dass das die nächste Stichelei war. Sein Blick fiel auf das Whiteboard, das gar nicht mehr so weiß war und sofort hatte er eine Idee, wie er Cox den Wind aus den Segeln nehmen konnte. Er schnappte sich einen Whiteboard-Stift.

“Bitte entschuldigen Sie, dass ich keine Übersichtskarte habe. Der Drucker im Teamleiterraum hat leider noch keine Overheadfolien.” Der Schlag ging nicht genau in Cox Richtung, traf aber trotzdem. Jeder im Raum wusste, dass sie eine Karte hatten und dass diese gerade in einer Mappe von Cox verschwunden war. Aber John wäre kein Pilot, wenn er sich keine Karten und besonders keine prägnanten Landmarken einprägen könnte. Innerhalb kürzester Zeit hatte er die Karte skizziert. “Da hier im Raum einige sind, die mich wahrscheinlich noch nicht kennen, möchte ich mich kurz vorstellen. Ich bin Major John Sheppard, auch Burning Falcon genannt. Die Geschichte dazu dürfen Sie gerne dem Stützpunktbuschfunk entnehmen. Irgendjemand wird Sie ihnen sicherlich erzählen.” Ein unterdrücktes Kichern kam aus Goudas Richtung, doch er ließ sich davon nicht beirren. “Ich gehöre zu den Special Forces der US Air Force und bin eigentlich auf der Andrews Air Force Base stationiert, als Teil der 894th Joint Forces Expeditionary Group mit Spezialisierung auf Such- und Rettungseinsätze und Infiltration. Ich werde den Nebeneinsatz zu dem Angriff auf Hazar Quadam anführen.”

Dann ging er zu seiner eigenen Mappe und zog einige Aufklärungsfotos heraus. Für einen Moment hielt er die Bilder in der Hand und endlich fiel ihm ein, wie er den Spielball in Cox Feld zurückbringen konnte. Cox mochte so wie John Pilot sein, aber er hatte eine sehr wichtige Sache nicht bedacht.
“Da in der Besprechung ein wichtiges Thema nicht beachtet wurde, möchte ich hierauf noch kurz eingehen. Ich weiß, dass viele sich gerne auf die Navigationssysteme ihrer Blackhawks verlassen, diese können aber in so schwierigem Gelände gestört werden oder Fehlfunktionen aufweisen. Die Gebirgsregion bietet jedoch auch einige Landmarken, die man auch mit Nachtsichtausrüstung erkennen kann.” John legte die Bilder noch einmal zur Seite. Dann begann er einige Flüsse, Bäche und hohe Bergspitzen in seine Karte einzuzeichnen und ging anschließend auf alle Landmarken präziser ein, gemeinsam mit potentiellen Anflugwinkeln für die gemeinsame Landezone. John merkte, dass Cox vor Wut kochte. Ihn interessierte es nicht. Jeder Pilot brauchte Landmarken. Sich nur auf die Instrumente zu verlassen konnte tödlich enden und inzwischen kannte John diese Region fast wie seine Westentasche. Zumindest von der Luft aus. Am Boden sahen die Dinge noch einmal ganz anders aus.

Schließlich griff er dann auch wieder zu den Bildern und gab sie Locke, der direkt vor ihm saß.
“Ich muss mich erneut entschuldigen, dass die Teamleiter noch keine Overheadfolien haben. Ich habe aber einige Ausdrucke für Sie. Bitten lassen Sie sie herumgehen. Es handelt sich um Fotos von dem letzten Aufklärungsflug nach Hazar Quadam. Mein Team und ich haben hierbei Lehmhütten entdeckt.” Die Markierung für die Lehmhütten wanderte schnell in Johns provisorische Karte gemeinsam mit den Landmarken, die für die Navigation interessant sein konnten. “Nicht nur in Hazar Quadam scheint es ein Waffenlager zu geben sondern auch in diesen Lehmhütten. Wir wurden entdeckt und nahezu beschossen. Es kann sein, dass die Taliban, nun wo sie wissen, dass wir dieses Versteck kennen, ihr Lager verlegen werden. Daher ist bei diesem Einsatz nicht nur Geheimhaltung sondern auch Geschwindigkeit gefragt.” John ließ seinen Blick über sein Team schweifen. “Aufgrund der Größe unserer Einsatzgruppe und der Bedeutung unserer Mission werden wir auch im Falle eines White Outs landen. Sollten die Wetterbedingungen zu schwierig werden, werde ich das Steuer übernehmen.”

Ein entschuldigender Blick zu Holland, doch sein Kumpel verstand, was hinter der Entscheidung steckte. Gouda musste noch Erfahrung mit White Outs sammeln und Miller erst recht. John dagegen war Testpilot und wenn irgendetwas zum Fliegen gebaut war, dann konnte er es fliegen, selbst wenn die Wetterbedingungen noch so schlecht waren.
“Sollte der Angriff auf Hazar Quadam zur selben Zeit stattfinden, werden wir diesen als Ablenkungsmanöver verwenden. Der gleichzeitige Angriff gewährleistet auch, dass weder von Hazar Quadam noch von den Lehmhütten Verstärkung für den jeweils anderen Angriff zu rechnen ist. Das hält uns den Rücken frei. Bisher haben wir nur die Aufnahmen von einem Aufklärungsflug. Befragungen von Ortskräften waren nicht aussagekräftig. Wir können auch nicht wissen, wie es unterhalb der Lehmhütten aussieht. Es ist davon auszugehen, dass wir auf Sprengfallen treffen werden.” Johns Blick wanderte zu Cadman. Das würde ihre Aufgabe werden. “Wir müssen uns auf den Kampf auf engstem Raum einstellen und werden P90er statt M9er verwenden, da sie kompakter sind. Das Ziel ist es die Lehmhütten zu erkunden, Waffenlager zu finden und den Widerstand zu brechen. Da wir bisher noch nicht als Team zusammengearbeitet haben, erwarte ich Sie, Newman, Cadman und Gilmore, morgen um 0800 auf dem südlichen Rollfeld zum gemeinsamen Training. Die Helikoptercrew darf sich uns gerne anschließen, falls Sie möchten. Gibt es noch Fragen?”, beendete John seinen Bericht und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen.

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Laura Cadman
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Beitrag von Laura Cadman » 13.11.2025, 00:18

Man mochte meinen, das ihre Gesellschaft, im 21. Jahrhundert nach Jesus Christus deutlich offener und transparenter daher kam, aber dann gab es immer wieder diese Situationen und Personen die einen dann doch daran Zweifeln ließ, das die Menschheit wirklich ihre Schatten abwerfen konnte. Letzteres war hier auf Personen bezogen und im Mittelpunkt stand Colonel Cox. Soweit kannte sie den Kommandanten nicht. Ein kurzes Gespräch bei ihrer Ankunft und vier oberflächige Begegnungen waren unzureichend um sich ein Bild machen zu können. Im Normalfall täuschte die erste Begegnung und eine Person, ein Mensch, war dann doch anders, als auf den ersten Blick zu erkennen war. Manchmal waren sie einem sympathischer und freundschaftlicher, als man es erwartete oder sie entpuppten sich dann doch, wie man es vermutete. Das war praktisch ein Los von Fünfzig zu Fünfzig, oder wie sie es gern in einer Metapher ausdrücken würde: Zwei Seiten derselben Medaille.
Cox war so typisch Mann, das Laura die Augen verdrehte. Selbstverständlich innerlich. Sie würde dem Colonel nicht jetzt schon zeigen, was sie von ihm hielt und das war erstaunlich wenig und das in so kurzer Zeit. Das sprach für den Mann und leider Gottes auch für sein Geschlecht. Diese stereotypen die es einem nur schwer machten und nicht für die Gegenwart gemacht sind. Es war, weiß Gott, nicht zu viel verlangt, zu akzeptieren, dass eine Frau ebenso bereit war an vorderster Front zu stehen und zu kämpfen. Soldat zu sein, sollte nicht vom Geschlecht abhängig gemacht werden und glücklicherweise hatte es in dem Fall auch bestimmte Änderungen gegeben. Doch nur weil es einer Frau möglich war, eine Soldatin zu sein, bedeutete es nicht das dies gern gesehen war.
Schon bei der Grundausbildung hatte die Rotblonde bemerkt, dass es nicht einfach sein würde als Frau bei den US-Streitkräften Fuß fassen zu können. Bemerkungen und Sprüche gab es von den Kollegen der Holzklasse gelegentlich auch und ja als Frau musste man deutlich mehr einstecken und sich selbst mehr abverlangen, als andere, männliche Kollegen, um mit dem gleichen Respekt behandelt zu werden und es war wirklich kein schönes Gefühl gewesen, besser als männliche Kollegen abzuschneiden um letztlich dann auf einem gleichwertigen Stand runter gelobt zu werden. Doch dann aufzugeben, kam einfach nicht infrage. Also hatte sie sich durchgebissen und sich bewiesen. Sie hatte akzeptiert das überragende Dienste notwendig waren, um auf gleicher Stufe mit den uniformierten Kollegen stehen zu können. Zugegeben wurmte es sie, aber sie hatte sich, gezwungenermaßen damit arrangieren müssen. Glücklicherweise war ihre militärische Laufbahn nicht stetig mit der Holzklasse gepflastert gewesen und es gab den einen und anderen Vorgesetzten der ihre Leistungen und Verdienste anerkannte und damit bewiese, dass die Lernfähigkeit des Mannes noch nicht verloren war.

Ein langsames Nicken folgte auf die Antwort ihres Vorgesetzten. Ihre Mimik blieb dabei ausdruckslos und neutral, obwohl es einen sehr guten Grund gab, der einen Offizier und das war Laura mittlerweile, durchaus als Seitenhieb aufnehmen konnte. Denn Cox hatte allen Ernstes ihren Rang unterm Tisch fallen und sie nicht mit dem militärischen Dienstgrad angesprochen, wie es ihr zugestanden hatte. Ein Versehen war es nicht. Das war leicht zu erkennen und deswegen gebe es nur eine Möglichkeit, und zwar um Verzeihung zu bitten. Ausgeschlossen das der Colonel sich dazu hinreißen lassen würde. Das 'Miss' konnte er sich sonst wo hinstecken, aber deswegen die Fassung verlieren oder sich zu einer Reaktion herabwürdigen lassen, die ihm in die Karten spielen würde? Auf gar keinen Fall.
So blieb die Marine gelassen sitzen, tat als habe sie es überhört und ignorierte die Äußerungen. Weitere Ausführungen von Cox ließ sie über sich ergehen. Für einen Moment hatte sie das Gefühl, als würde der Kommandant sie wirklich reizen wollen. Stand auf ihrer Stirn etwa 'dumm' geschrieben? Nein, tat es nicht. Dennoch wollte der Ältere sie darüber aufklären das Frauen und Kinder, kurzgefasst Zivilisten, zu schonen waren. Als wüste sie es nicht besser. Genau genommen hatte sie die Sache deswegen angesprochen. Ein so ländliches Fleck war gewiss nicht dicht besiedelt, aber landwirtschaftliche Arbeiten, gerade in den Tälern war nicht außer Acht zu lassen. Die Zahl würde überschaubar ausfallen. Vor allem, wenn Informationen, wie Luftaufklärung oder Berichte von Ortskräften, zur Verfügung standen.

„Vielen Dank, Mister Cox, Sir“, sprach Laura, nachdem der Colonel zu einem Ende gekommen war. Die Spitze gegen den Vorgesetzten konnte sie sich nicht nehmen. Vielleicht musste sie den Colonel, außerhalb der Dienstzeit unterm Tisch trinken oder mit ihm Arm drücken, damit er verstand das sie sich nicht beirren ließ und keine Scheu hatte zu beweisen, dass sie ebenso hart im Nehmen wahr. Doch so sehr die Augenbraue kurz zuckte, lenkte Cadman ein und tippte sich mit dem Zeigefinger ihrer linken Hand gegen die Schläfe. „Ich meine Colonel“, fügte sie in einem geheuchelt, entschuldigenden Tonfall hinterher. „Sie müssen mir verzeihen, Sir, wir hatten eben noch eine längere Tour draußen gehabt. Ich weiß, dass es keine Entschuldigung ist, bei Ansprache den militärische Dienstgrad zu vergessen. Es ist leider nur so, Sir, dass meine Periode mir gerade etwas zusetzt. Sie verstehen sicher, wie sich so etwas anfühlt.“ Gute Miene zum bösen Spiel und genoss hinter ihrer offenkundigen, neutralen Gesichtsausdruck wie der Schnauzer des Colonels bebte. Damit hatte dieser wohl sonderlich nicht mit gerechnet und eine Erwiderung blieb aus. Dafür konzentrierte sich der Colonel nun wieder auf sein 'Lieblingsopfer' und Laura tat es etwas leid, Falcon, damit zum Sündenbock für Cox schlechte Laune gemacht zu haben.
Der Major war sichtlich in einem Gedankenprozess vertieft gewesen, als Cox ihn ansprach. Die Bemerkung dazu war unpassend. Immerhin machte sich der Teamleiter Gedanken und das sollte allen Anwesenden zugutekommen. Auch Colonel Cox selber. Immerhin stand der Major unter seinem Kommando. Je sauberer, ordentlicher und erfolgreicher ihre Mission ausfielen, umso mehr konnte der Colonel bei seinen Vorgesetzten glänzen. Mit der Arbeit eines anderen sich zu rühmen war definitiv nicht richtig, passierte jedoch viel zu oft. Dass ihr gemeinsamer Vorgesetzte so weit ging, den Major bloßzustellen, indem er die Übersichtskarte vom Projektor entfernte, hätte Cadman nicht erwartet. Zwischen den beiden Männern musste eine sehr tiefer Graben liegen. Vielleicht ließe sich später noch mit dem Major eine Unterhaltung führen. Der Dunkelhaarige war mal ebenso um das Hundertfache sympathischer als der Colonel.

Sehr souverän löste der Major die Hürde, die ihn Cox in den Weg zu stellen versuchte, indem er hoffte den Unterstehenden vor versammelter Mannschaft bloßstellen zu können. Im Gegensatz zu Cox, nickte Laura leicht in Richtung des Piloten. Ein Zeichen das als Wertschätzung und Anerkennung zu verstehen war. Anderes konnte man nicht aufbringen. Nicht bei so einem Kommandanten wie Cox.
Die weiter gereichten Kopien wanderten von einer Hand zur nächsten weiter bis jeder der Anwesenden einen Ausdruck der letzten Luftaufklärung vor sich hatte. So auch die Marine, die sich die verschiedenen gemachten Fotos betrachtete. Bergiges Terrain, durchzogen von einigen Tälern, Graslandschaften und kleinen Steppen. Ein ähnliches Bild wie sie es auf der Tour ihrer Humvee hatte erleben können. Der Bodeneinsatz würde sich aufgrund der örtlichen Gegebenheiten als kniffligherausstellen. Besaß der Feind, ein höheres Gelände hatte er einen Vorteil und konnte die Kollegen und Kolleginnen besser unter Beschuss nehmen. Wahrscheinlich gab es angelegte Höhlen und Tunnel die nicht zu erkennen waren. Vor ihrem geistigen Auge sah Cadman jetzt schon ein schweres Feuergefecht auf sich zukommen.

„Und wo Waffen gelagert werden, ist Sprengstoff auch nicht weit entfernt“, entgegnete sie kurzerhand, während sie prüfend die Lehmhütten in Augenschein nahm. Im schlimmsten Falle gab es bereits Sprengfallen, Stolperdrähte und Minen, die von den Taliban gelegt wurden, um das Vordringen der US-Streitkräften zu verlangsamen und zu dezimieren. Sollte es zu dem Zeitpunkt der Bilder noch keine gegeben haben, nutzten die Taliban gerade jetzt die Zeit sich auf einen eventuellen Angriff vorzubereiten. Es würde viel von ihr abverlangt werden und das wohl unter Beschuss. Ganz so wie ein normaler Tag im Krieg eben sein konnte. Hässlich. Schmutzig. Nichts Alltägliches, aber eben dazu hatte sich ein jeder der hier versammelten bewusst zu entschieden.
Entschieden werden musste auch die Operation auf Hazar Quadam. Zu der Äußerung von Sheppard hin blickte die Rotblonde kurz in Richtung des Colonel. Sie wollte sich nicht dazu äußern, denn Entscheidungen dieser Art lag einige Gehaltsklassen und Ränge über den ihrigen. Persönlich würde sie die Missionen kombiniert angehen. Der Major legte das offensichtliche ja auch mit seiner eigenen Äußerungen nahe. Zustimmen tat sie ihm in Gedanken und nach einen prüfenden Blick in die Gesichter der anderen Marines, ihrer Kollegen, wusste Laura das sie ebenso händelten. Doch keiner wollte riskieren Cox eine Vorlage zu liefern um erneut gegen den Major schießen zu können.


„Nein, Sir“, beantwortete Cadman die allgemein gestellte Frage. Es war alles Wichtige an Informationen, die man sammeln konnte und vorliegen hatte, waren ausgetauscht worden. Jetzt musste nur noch die entsprechende Taktik zugrunde gelegt werden und der Einsatz entsprechend geplant werden. Unerwartete Faktoren würden beim praktischen Teil durch Improvisation und Anpassung erfolgen, aber dessen war sich jeder bewusst. Von den Marines her folgte ein ledigliches Nicken. Sie hatten verstanden und waren mit dem Briefing soweit zufrieden. Keine weiteren Fragen waren notwendig. Das am nächsten Tag folgende Training zwischen den Angehörigen der Luftwaffe und der Marines würde das Zusammenspiel beider Gruppen definieren. Eine Probe um die Koordination für den kommenden Einsatz besser durchzuführen zu können, war eine grundlegend gute Sache. Es wäre auch der erste größere Kampfeinsatz für die Sprengstoffexpertin seit ihrer Stationierung in Afghanistan.
Durch die zunehmende und einseitige Zustimmung beider Gruppen, sah Cox auch keinen weiteren Grund die Besprechung fortzuführen. Ohne weiteres Wort an die Soldaten verließ der Colonel dann den provisorisch eingerichteten Besprechungsraum. Ein unhöfliches Auftreten, aber es überraschte Laura auch nicht im Geringsten, die den Stuhl langsam nach hinten schob und sich dabei erhob. Einer ihrer Kollegen klopfte dem anderen auf die Schulter. Man freute sich die taktische Uniform ausziehen und sich frisch machen zu können, bevor es morgen früh erneut losging. Nach und nach leerte sich der Raum, bis der Major und Laura alleine zurückblieben.
„Darf man fragen, Major, was zwischen Ihnen und dem Colonel vorgefallen ist?“, erlaubte sie sich dann das Thema offen anzusprechen. Gut möglich das Sheppard es ablehnte darüber zu sprechen. Als ein von der Rangordnung höhergestellter Offizier lag es ganz in seiner Hand darüber zu reden oder sie wegzuschicken. Allerdings vermutete Laura, ohne es genau sagen zu können, warum, dass letzteres eher nicht der Fall sein würde.



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John Sheppard
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Beitrag von John Sheppard » 08.12.2025, 02:41

Gouda blickte zu John und verzog bewundernd die Mundwinkel. Es war klar, was sein Kumpel damit sagen wollte. Das, was Cadman ihnen da lieferte, war ganz großes Kino und es war wirklich eine Schande, dass sie kein Popcorn hatten. Die Lieutenant hatte Mumm in den Knochen und John musste Holland zustimmen. Sie nahm absolut kein Blatt vor den Mund, als sie den Colonel spüren ließ, was sie davon hielt, dass er ihren Rang unterschlagen hatte. Natürlich hatte sie vollkommen recht damit, dass sie sich das nicht gefallen ließ. Trotzdem hoffte John, dass ihr diese Reaktion nicht irgendwann auf die Füße fallen würde. Cox konnte furchtbar nachtragend sein und Cadman wollte selbst als Sprengstoffspezialistin sicher nicht dazu gezwungen werden bei einem Konvoy Spitze fahren zu müssen. Das Risiko in eine Sprengfalle zu geraten war dabei riesig und die Überlebenswahrscheinlichkeit nahezu null, wenn das geschehen sollte. Selbst die zum Begleitschutz eingesetzten Hubschrauber konnten in diesem Moment kaum noch etwas tun als noch tiefer zu fliegen und deutlich zu zeigen, dass die Taliban oder auch Al-Kaida es bloß nicht wagen sollten noch einen weiteren Angriff zu starten, bevor sie dann die Verletzten fortbrachten. Leider hatten sie dabei auch schon Hubschrauber verloren und dann noch weitere zum größten Teil leere Särge nach Hause schicken müssen. Das war leider die Realität des Krieges und John musste zugeben, dass er lieber noch einmal nach Nord-Korea geschickt werden würde als das Jahr, das er mindestens hier stationiert sein würde, abzuleisten.

Eigentlich wurden Air Force Offiziere nur für ein Vierteljahr hierher geschickt, aber irgendjemand in einem bequemen Büro im Pentagon hatte wohl entschieden, dass besonders aktuell eine stabile Führungsriege notwendig war. Als Major und Einsatzleiter gehörte John dazu, Rob ebenfalls und leider auch Cox. Sie würden also noch viele Monate das Vergnügen miteinander haben. Wenn Rob Pech hatte, dann würde sein Kind ohne ihn auf die Welt kommen und er das kleine Mädchen oder den kleinen Jungen erst kennenlernen, wenn es schon ein halbes Jahr alt war. Kurz vor Weihnachten 2002 würden sie nach Hause kommen und er würde vielleicht mit Rob und Leah feiern. Wobei die beiden diese Zeit vermutlich brauchen konnten, um in ihr neues Familienleben zu finden und da gehörte er nicht dazu. Weihnachten 2001 hatten Rob und er in Camp Rhino gesessen, gefroren und sich mit einem Haufen Marines über miserablen MREs im Zelt Geschichten von zuhause erzählt. Da sie im Dunkeln kein Licht benutzen durften, hatten sie noch nicht einmal Kerzen anzünden dürfen. Es war ein sehr seltsames Weihnachtsfest gewesen. Aber er war wenigstens nicht alleine gewesen. In der Weihnachtspost war natürlich kein Brief für ihn gewesen und erst recht kein Geschenk. Er hatte sich für die anderen gefreut, sich dann aber in einen ruhigeren Teil des Camps verzogen. Dem Seelsorger war das selbstverständlich aufgefallen und John hätte ihn für das Gespräch erschießen können, das ihm dieser Möchtegern-Seelenklempner aufgezwungen hatte. John wusste, dass die Zukunft sehr viele weitere einsame Feiertage für ihn vorsah und natürlich hätte er lieber weiterhin Thanksgiving oder auch Weihnachten mit Nancy verbracht. Aber das war Vergangenheit. Aus und vorbei. Er litt nicht darunter. Er hatte mit dem Thema abgeschlossen und hielt nun lieber denjenigen den Rücken frei, die an diesen Tagen ein zuhause hatten, wohin sie gehen wollten, indem er im Stützpunkt blieb und arbeitete.

Als geplanter Patenonkel für Robs Tochter würde er zwar auch da irgendwie zur Familie gehören, aber auch nicht so sehr, dass er sich bei jedem Feiertag, der eigentlich in der Familie begangen wurde, dort hinzugesellen konnte. Vielleicht würde er bis dahin auch wieder auf irgendeinem Einsatz sein. Wenigstens musste er sich bei diesen Einsätzen in der Regel nur um sein eigenes Leben, vielleicht auch noch das seines Partners oder der Person, die er beschützen sollte, sorgen. Aber hier waren so viele Soldaten, hin und wieder sogar zivile Angestellte betroffen, wenn etwas geschah, dass er angestrengt versuchte sich abzuschotten. Das Problem war nur, dass bei ihrer Arbeit an vorderster Front und all den gemeinsamen Wachschichten, Mahlzeiten und Ruhephasen so etwas wie Abschottung nicht möglich war. In Mitch, Dex und Holland hatte er bereits neue Freunde und damit auch Personen gefunden, um die er sich Sogen machte, und er vermutete, dass Cadman sich auch zu dem Kreis seiner Bekannten, vielleicht sogar Kumpel gesellen konnte. Wenn er sie sich so betrachtete, dann war er sich sicher, dass sie ihn jederzeit unter den Tisch trinken und beim Training problemlos mit den Männern mithalten konnte. Doch selbst wenn es nicht so wäre und hier eine junge Frau sitzen würde, die keine Haare auf den Zähnen hatte und eher zurückhaltend und unscheinbar war, gab das dem Colonel nicht das Recht sie so zu behandeln, wie er es tat. Aber das würde Cox nicht interessieren. Der Mistkerl schien absoluten Gehorsam, keine Widerrede und trotzdem so gute Leistungen zu erwarten, dass er sich mit all dem Ruhm, den seine Soldaten für ihn errungen, brüsten konnte. Das widerte John an, aber vielleicht lag das auch an seinem Werdegang in der Air Force.

Nach einer Weile als Ausbilder war er schon bald Testpilot geworden und dort hatte man ihnen bei der Ausbildung jede Arroganz und Überheblichkeit, die manche mitgebracht hatten, geradezu ausgeprügelt. Testflüge waren Teamwork und besonders in den Briefings und während des Fluges begegneten sich die Piloten in der Regel auf Augenhöhe. Bei Flugtests, aber auch mitten im Gefecht waren Ränge so ziemlich egal. Falscher Stolz brachte schnell das gesamte Geschwader in Gefahr und selbst ein junger Lieutenant konnte manchmal die rettende Idee haben. Natürlich gab es Entscheidungen, die nur der Leiter zu treffen hatte, aber der Rest basierte auf Zusammenarbeit und Vertrauen. John vertraute Rob blind und umgekehrt galt es genauso. Holland, Mitch und Dex erarbeiteten sich Stück für Stück dasselbe Vertrauen. Nur Cox… Es war unmöglich einer Person zu vertrauen, die einem noch nicht einmal richtig in die Augen schauen konnte und die eine kurze Unaufmerksamkeit sofort nutzte, um ihn vor der versammelten Mannschaft bloßzustellen. Nur zu gerne würde John auf dieselbe Schiene wie Cadman gehen, aber im Gegensatz zu der jungen Lieutenant war er Cox direkt unterstellt. Sie konnte sich noch hinter ihrem eigenen Vorgesetzten verstecken, aber er würde Cox Wut auf der Stelle abbekommen. Der Kampf musste unterschwellig weitergeführt werden und genau das tat John. Er würde es sich nicht gefallen lassen, dass dieser Idiot ihn als Trottel darstellte, nur weil er sich Gedanken über den Einsatz macht. Er wollte kein zweites Shawali Kowt riskieren. Dieser Kampf war nur zu gewinnen, wenn sie mit der lokalen Bevölkerung, die nicht weiter unter den Taliban leiden wollte, zusammenarbeiteten. Doch wenn sie wieder Unschuldige ins Verderben stürzten, dann würden sie bald nur noch Misstrauen ernten. Obwohl John schon ahnte, wie das Gespräch ausgehen würde, wollte John versuchen noch einmal mit Cox zu sprechen, bevor der Einsatz losging. Vielleicht sollten sie einfach noch einen weiteren Aufklärungsflug machen. Er hätte auch keine Probleme damit das Lager zu infiltrieren und weitere Informationen zu sammeln. Das war seine Aufgabe in seiner Einheit in Washington und nur weil er jetzt in Afghanistan war, bedeutete das nicht, dass er das, was er immer wieder trainiert und eingesetzt hatte, einfach vergessen hatte. Vermutlich sah Cox das aber anders und witterte nur den Ruhm, den ihm die Eroberung von Hazar Quadam einbringen konnte. Wenn Orden wichtiger als Menschen wurden, dann lief eindeutig etwas schief. Er konnte sich sogar vorstellen, dass Cox nur so viel Ansehen bei seinen Vorgesetzten sammeln wollte, dass er endlich den ersten Stern auf die Schulter gepinnt bekam. Oder es war etwas ganz anderes.

Der Kerl war einfach nicht zu durchschauen und sein schlechtes Benehmen wurde auch deutlich, als er einfach die Augen verdrehte, als Cadman etwas sagte. Dabei hatte sie vollkommen recht. John rechnete ebenfalls damit, dass sie Sprengstoff finden würden, daher nickte er der Lieutenant zustimmend zu.
“Ganz genau, Lieutenant. Und da kommen Sie ins Spiel.”, erwiderte er und ließ seinen Blick noch einmal durch den Raum schweifen. Es wurde jedoch schnell deutlich, dass es keine weiteren Fragen gab.

Cox beendete das Meeting, indem er einfach aufstand und ging. Es fiel John furchtbar schwer ein Seufzen zu unterdrücken, doch im Endeffekt gelang es ihm seinem Vorgesetzten einfach nur hinterher zu blicken und sah dann wieder zu den versammelten Offizieren.
“Sie können wegtreten.”, beendete er das Briefing offiziell und bemerkte schon bald Gouda an seiner Seite.

“Gut gemacht, Shep.”, flüsterte der Captain, doch John war sich nicht wirklich sicher, ob das Meeting wirklich gut gelaufen war. Dieser Streit zwischen Cox und ihm konnte nicht ewig weitergehen. Das Problem war nur, dass er wahrscheinlich den Kürzeren ziehen würde, wenn der Streit ausartete oder auf eine andere Art endete. Ein Full Bird Colonel gegen einen Major. Das konnte nur schlecht für den rangniederen ausgehen.

“Wir sehen uns dann heute Abend in der Bar.”, fügte Holland noch hinzu und John wollte bereits den Kopf schütteln, als Gouda ihm auf die Schulter klopfte und leise meinte: “Vielleicht ist ja auch die kleine Brünette wieder da, der du gestern schöne Augen gemacht hast.”

Also wirklich. Natürlich hatte er die braunhaarige Sanitäterin irgendwie hübsch gefunden, aber in den nächsten Tagen hatte er wirklich besseres zu tun als zu flirten. Außerdem hatte ihm Rachel gestern ziemlich deutlich gemacht, dass sie kein Interesse an ihm hatte und um sich nun auch noch Gedanken darüber zu machen, wie er das Eis vielleicht doch noch brechen konnte, hatte er keine Zeit. Die Mission war wichtiger.

“Wir werden sehen.”, wich John aus. Holland lächelte verschwörerisch, drehte sich dann aber um und ging.

Der Raum leerte sich immer mehr, bis er sich auf einmal alleine mit Cadman in dem Besprechungsraum wiederfand. Die junge Offizieren war zu ihm nach vorne gekommen und stellte natürlich die Frage, die vermutlich auch einigen anderen im Raum durch den Kopf gegangen war. John konnte daraufhin nicht anders als doch zu seufzen. Er wünschte wirklich, dass er Cadmans Fragte beantworten könnte. Das Problem war jedoch, dass er es einfach nicht wusste. Er hatte sich nichts zu Schulde kommen lassen. Stets hatte er brav seine Befehle befolgt und doch hatte Cox ein Problem mit ihm. Oder hatte er eher ein Problem mit seiner Akte? Die Arbeit als Testpilot und später auch im Geheimdienst brachte es eben mit sich, dass große Teile der Akte geschwärzt wurden. Manche konnten damit aber einfach nicht umgehen und genau dem hatte er es wahrscheinlich auch zu verdanken, dass aus Guide Falcon geworden war. Vermutlich würde es gar nicht einfach werden herauszufinden, was wirklich hinter dem Streit steckte. Aber irgendwann würde Cox einen Fehler machen und sich verraten. Das war fast sicher.

“Natürlich dürfen Sie. Ich befürchte nur, dass ich Ihre Frage nicht beantworten kann.”, erwiderte John ehrlich und schüttelte den Kopf, während er seine eigenen Unterlagen ordnete. Erst als auch die letzten Ausdrucke wieder in seiner Mappe verschwunden waren, sah er Cadman wieder an. “Ich weiß es selbst nicht. Seit ich hier stationiert bin, verhält Cox sich so. Ich habe ihn vorher noch nie getroffen.”

Schon mehr als einmal hatte John überlegt, ob es daran liegen konnte, dass Rob und er zu den Joint Forces gehörten und schon mehrfach mit den Marines oder der Navy zusammengearbeitet hatten. Cox dagegen schien zum ersten Mal mit Marines zusammen stationiert zu sein und wirkte ihm so arrogant wie viele andere Piloten, die nur die Leute akzeptierten, die auch Flügel an der Brust hatten und am besten auch noch die blaue Uniform trugen. Grün oder weiß war für viele geradezu ein rotes Tuch. Dabei hatten sie alle ihre Existenzberechtigung. Eigentlich sollte das auch Cox wissen. Bescheiden, nahbar, glaubwürdig - das Motto der Air Force Weapons School, dem Luftwaffe-Äquivalent des Top Gun Trainings der Navy. John hatte nur die Anfangszeiten der Zweigstelle dieses Programms in Hurlburt Field erlebt, aber Cox war ein Absolvent genau dieser Schule. Ihm sollte dieses Motto eigentlich in Fleisch und Blut übergegangen sein, sonst hätte er es nicht verdient den Aufnäher permanent an seinem Fliegeranzug zu tragen. Stattdessen kam es ihm aber so vor, als hätte Cox diese Werte vollkommen vergessen, als er aus dem Cockpit ausgestiegen und Kommandant geworden war. Cox war schon lange kein Pilot mehr. Hier in Kandahar hatte er ihn noch nie überhaupt in der Nähe der Helis gesehen. Inspektionen machten in der Regel Rob, er oder Lt. Colonel Webster, Cox' Second in Command. Den Fliegeranzug trug er vermutlich nur noch aus Gewohnheit und weil Blues hier extrem unpraktisch waren. Eine Alternative waren noch BDUs, aber da konnte er nicht jedem seinen Weapons School Aufnäher unter die Nase reiben.

Der Aufnäher... John runzelte die Stirn. War er hier vielleicht etwas auf der Spur? Es war nicht ungewöhnlich, dass gute Piloten auch als Lt. Colonel noch flogen. Bei Colonels war es deutlich seltener der Fall aber auch nicht unmöglich. Das Problem war nur, dass es sehr viele Dinge gab, die einem Piloten die Flügel stutzen konnten, allen voran medizinische Gründe. Nicht umsonst waren Ärzte die ärgsten Feinde von Piloten. Er selbst hatte ebenfalls bis vor Kurzem wegen verminderter Lungenleistung keine Jets fliegen dürfen und John war sich sicher, dass das der Grund warum er hier hauptsächlich als Hubschrauberpilot eingesetzt wurde. Vielleicht ging es Cox ähnlich wie ihm, nur dass seine Probleme permanent waren. Vielleicht war er deshalb so verbittert. Er hatte nur immer noch keine Ahnung, was sein altes Rufzeichen damit zu tun hatte. Aber das würde er irgend wann ergründen. Immerhin würden Cox und er vermutlich noch viel Zeit gemeinsam verbringen.

Nun galt es eh erst einmal etwas herauszu­finden, was für den Erfolg der Mission deutlich wichtiger war. Das Problem war nur, dass das Thema etwas delikat war.
“Lieutenant.”, begann John, blickte dann aber verlegen zur Seite. Er wusste, dass die meisten Frauen dieses Thema am liebsten totschwiegen, deshalb hatte es ihn gewundert, dass Cadman es so offen gegenüber Cox angesprochen hatte. Nancy hatte selbst gegenüber ihm fast nie darüber geredet, stattdessen hatte er es meist daran gemerkt, dass sie launisch wurde, er beim Einkaufen extra viel Schokolade mitbringen musste oder die Hygieneprodukte im Bad plötzlich umarrangiert worden waren. Wenn es ganz übel lief, hatte er auch drei Tage auf der Couch schlafen dürfen. Übel genommen hatte er es nie. Es gehörte halt dazu. John spürte einen deutlichen Stich in seinem Herzen. Ein Jahr waren Nancy und er nun schon getrennt. Im
Prinzip sogar seit zwei Jahren, wenn er seine Zeit in Korea mitzählte. In wenigen Wochen würde die Scheidung rechtskräftig werden und er vermisste Nancy immer noch. Sie würde ihn wahrscheinlich dafür auslachen, dass er um das Thema herumschlich wie die Katze um den heißen Brei. Zum größten Teil ging er sogar davon aus, dass Cadman das nur gesagt hatte, um Cox zu ärgern und ihm vor Augen zu führen, wie sexistisch sein Verhalten gewesen war. Bei einem Idioten wie dem Colonel half das zwar nichts, aber es war lustig gewesen. Trotzdem musste John Cadman nun nach ihrem Befinden fragen, denn das könnte durchaus auf der Mission von Bedeutung sein.

“Also...”, begann er noch einmal und überlegte sogar, ob er die Tür schließen sollte. Immerhin war das Thema privat. Da er aber niemand draußen auf dem Gang hören konnte, entschied er sich dagegen. “Haben Sie tatsächlich Ihre... Sie wissen schon?”, brachte er schließlich doch die Frage hervor und konnte es nicht verhindern, dass sich die Spitzen seiner Ohren vor Verlegenheit rot färbten, bevor er noch schnell hinzufügte. “Sie müssen es mir nicht sagen, ich muss nur wissen, ob Sie vollständig einsatzfähig sind.” Vielleicht hätte er die Frage direkt so stellen sollen. Aber besonders was Frauenthemen betraf, trat er gerne hin und wieder mal in ein Fettnäpfchen.

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Laura Cadman
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Beitrag von Laura Cadman » 16.12.2025, 15:15

Der Raum leerte sich zusehends. Cox selbst war schon gegangen. Ohne Umschweife. Keine Floskeln wie sie bei der Auflösung eines Meetings gemacht wurde. Es fehlten die üblichen Aussagen wie 'Einen schönen Tag'. Ganz klare Direktheit. In seiner Position, in der er, Cox, stand, sein Recht. Gesellschaftlich durchaus fragwürdig. Aber deswegen sich aufregen? Bei einem Idioten wie Cox? Sicherlich nicht und so sah auch die Rotblonde darin eher eine Erleichterung drin. Man hatte ihr bereits gesagt das der Colonel sehr eigen war und er verhielt sich leider so wie ein Großteil männlicher Vorgesetzte eben. Darum empfand sie die Abwesenheit des Kommandanten auch nicht als tragisch. Auf ihrer Basis würde sie dem Mann eh noch öfters begegnen als ihr lieb war. Doch das wäre ein anderes Mal. Für heute schien die Sache eh gelaufen zu sein. Nach der Patrouille und der Missionsbesprechung stand eh nicht mehr viel an.
Die Marines, ihre Kollegen, hatten ihr auf die Schulter geklopft. Stillschweigender Respekt. Zusammenhalt unter ihresgleichen. Das war die Kehrseite der Medaille. Spätestens in einem Gefecht konnte man beweisen, wozu man in der Lage war. So traurig die Realität sein mochte, erst in einem Kampfeinsatz wurde das Band unter Kameraden geschmiedet. Vertrauen und Respekt erworben. Kollegen, die vorher noch an einem zweifelten, warfen erst dann die eigenen Vorurteile über die Schulter, wenn man Seite an Seite im Schützengrab lag, während um einen herum die Welt in einer scheinbaren Apokalypse unterging.
Bitter war die Erkenntnis in solchen Momenten, wenn man so darüber nachdachte und an die erlebten Dinge zurückblickte. Dinge die man nicht vergessen konnte. Kein Alltag den man bei einem kühlen Blonden, einer Dusche oder im Beisamensein der Familie vergessen konnte. Nicht wenn man zuvor mit ansehen musste, wie die Granate des Gegners einen Soldaten zerfetzte. Anhaltender Schmerzensschrei, gurgelnde Geräusche und das Dröhnen von vollautomatischen Waffen. Die eigene Kleidung von Blut anderer gesprenkelt. Den Geruch des eisenhaltigen Lebenssaft vermischt mit dem Geruch von Treibladungen war ebenso wenig zu vergessen wie zu ignorieren. All diese Eindrücke, von gesehenen, gehörten und gerochenen. Man war nie frei davon.

Schließlich befanden sie sich alleine im Raum. Major Sheppard und Lieutenant Cadman. Letztere erlaubte sich den kleinen Vorstoß zu wagen den US Air Force Offizier auf die Problematik mit Cox anzusprechen. Es war offensichtlich das zwischen den beiden Angehörigen der US-Luftwaffe dicke Luft herrschte. Das war eine sehr schonende Metapher. Immerhin war Laura nicht im Bilde um genau einschätzen zu dürfen wie es die Spannung zwischen den Herrschaften stand.
Die Abneigung gegenüber einer Frau, die Laura nachweislich eine war, lag klar auf der Hand. Das Verhalten war im Grunde nicht tolerierbar und Cadman hielt sich auch eisern zurück. Alles andere würde sie andernfalls vor das Militärgericht bringen, ihre Karriere direkt beenden, den Rauswurf aus dem US-Militär bedeuten und das ehrenlos. Bedeutete keine Bezüge und sonstige finanzielle Absicherungen. Das alles war Cox einfach nicht wert. Die kurze Genugtuung, angesichts der disziplinarischen Konsequenzen, stand leider in keinem guten Verhältnis. Sie würde sich mit imaginären Vorstellungen begnügen müssen, sollte Cox weiterhin ihr gegenüber sexistisch und respektlos bleiben. Klar bestand die Option mit ihrem eigenen Vorgesetzten aus der Reihe der Marines zu sprechen, aber das würde sie sich nicht geben. Damit würde sie indirekt Cox nur bestätigen, was er ohnehin glauben wollte. Sollte ihr Vorgesetzter wirklich dazugezogen werden müssen, musste es gewaltig eskalieren. So viel stand für die Sprengstoffexpertin fest.
Sheppard hatte mehr mit dem widrigen Verhalten des Kommandanten zu kämpfen. Als Mitglied der Air Force stand er in einer noch schlechteren Position. Es gab bereits jetzt schon gewisse Sympathien für den Kampfpiloten und das war wohl auch der springende Punkt des Ganzen, das Cadman ihn daraufhin ansprach. Eine bessere Gelegenheit gab es nicht, da sie beide alleine im Raum standen und sich alle anderen zurückzogen. Sie selbst würde in einer der improvisierten Duschen springen und ihre, über Stundenlang getragene, Uniform eintauschen. Vermutlich würden einige ihrer Jungs noch pokern. Ein Klassiker zugegeben, aber eine nette Art der Unterhaltung und da sie von ihrem Vater in jungen Jahren das Pokern beigebracht bekommen hatte, beherrschte sie das Spiel sehr, sehr gut. Pokerface.

„Ich bin überrascht“, gestand die Rotblonde, als der Major, der gerade seine Unterlagen bis eben ordnete, ihr gestand den Grund für Cox's Verhalten nicht zu wissen. Sie würde meinen, dass das spezielle gegen Sheppard gerichtete Verhalten läge einer persönlichen Fehde zu Grunde. Alle anderen, männlichen, Soldaten waren von dem Colonel nämlich nicht so angegangen worden. Bei ihr spielte das Geschlecht die entscheidende Rolle. „Ich hätte angenommen, Sir, dass die Sache zwischen Ihnen und dem Colonel, einen persönlichen Grund hätte“, fügte der Lieutenant hinzu, ehe sie mit den Schultern zuckte und noch erwiderte: „In meinem Fall, ist die Sachlage klar: falsches Geschlecht!“
Bewusst hatte sie den Ausdruck 'falsches' betont. Es gab nämlich kein falsches Geschlecht. Fragwürdiges Verhalten und falsche Befehle dafür umso mehr, aber das war etwas das der Major ebenso wusste wie sie. Es brauchte keine Worte um das zu vermitteln. Für den Älteren spräche da die Lebenserfahrung. „Vielleicht sollten Sie dem Colonel anbieten, Sir, seine Tochter einmal mit ins Cockpit zu nehmen. Das könnte die Wogen glätten“, sprach Laura und ihrem Unterton war zu entnehmen, dass sie es nicht so ernst mit meinte. Ein Scherz. „Ihren Teil haben Sie, unter den Umständen sehr gut gemacht, wie ich finde. Sie sollten sich jedenfalls nicht von ihm unterkriegen lassen, Major. Auch dieser Einsatz findet eines Tages ein Ende und dann werden sie Colonel Cox wohl nicht mehr wiedersehen“, versuchte sie es mit ein wenig Optimismus.

Dann sprach Sheppard sie an. Es war relativ schnell zu erkennen, dass der höhere Offizier gewisse Schwierigkeiten hatte mit dem Thema umzugehen. Die Körpersprache, das verlegende Verhalten, waren eindeutige Indizien dafür. In den ersten Sekunden hatte die Marine auch nicht verstanden, wieso sich der Major herumdruckste. Denn das was sie Cox gesagt hatte, bezüglich ihrer Monatsblutung, war lediglich daher gesagt gewesen. Der Kommandant ihres Stützpunkts solle eine verbale Kerbe von ihr erhalten. Freundlich. Respektvoll. Aber eben auch mit den nötigen Worten. Ein Mann wie Cox würde sich darin nur bestärkt sehen. Vielleicht würde er aber auch angesichts ihrer Worte zu einem Umdenken bewegt werden.
Hingegen bemühte sich Major Sheppard das Thema vorsichtig anzuschneiden. Es lag spürbar in der Luft wie sehr er sich mit der Thematik schwertat. Die Sprengstoffexpertin könnte ihm entgegenkommen und ihn davon erlösen, aber sie ließ ihn absichtlich damit hantieren. Es war neugierig zu sehen, wie der Dunkelhaarige das zu umschiffen versuchte. Sein Verhalten etwas Unbeholfenes, doch rechnete sie es ihm an, das er sich bemühte diskret und umgänglich zu sein. Ewig wollte sie ihn dann aber nicht mehr zappeln lassen und so winkte sie ab.
„Danke das Sie Nachfragen, Major“, fing Cadman an und lächelte vorsichtig. „Ich wollte den Colonel lediglich sein Verhalten vorführen“, gestand sie nach einer Atempause von zwei Sekunden. „Machen Sie sich daher bitte keine Gedanken. Es geht mir gut, Sir.“
Damit durften sich auch die Ohrspitzen des Vorgesetzten abkühlen und normalisieren. „Für meine Kollegen gilt übrigens das Gleiche, Sir. Keine Einschränkungen für die bevorstehende Mission“, fügte sie hinzu. Unklar wie es gemeint war, denn Laura hatte es sehr neutral gesagt. Doch man konnte ahnen das es nicht so ernst zu nehmen war, wie es klang. „Ich nehme an, das Sie zu ihren Kameraden zurückkehren wollen. Sollte ich mich irren, sind Sie herzlich eingeladen bei uns mitzumachen. Ein wenig pokern. Ich sollte Sie allerdings warnen. Die Einsätze, um die wir spielen, sind nicht ganz ohne und ich habe ein ziemlich gutes Pokerface.“

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John Sheppard
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Beitrag von John Sheppard » 01.01.2026, 01:03

Dass Cadman über seine Antwort überrascht war, verwunderte John nicht im Geringsten, doch es zeigte ihm sehr deutlich, was dieser Streit zwischen Cox und ihm verursachte. Die Soldaten und anderen Offiziere wunderten sich, was los war und was zwischen ihnen vorgefallen war. Natürlich würden dadurch auch Theorien entstehen, die einfach nur falsch waren und die besonders Johns Autorität untergraben würden. Im schlimmsten Fall würde es in die Richtung gehen, dass Gerüchte verbreitet wurden, dass er sich immer wieder unterschwellig den Befehlen von Cox wiedersetzte und dadurch die Wut des Kommandanten auf sich gezogen hatte. Dabei war nichts dergleichen der Fall. Er sagte seine Meinung, das stimmte. Manchmal legte er die Befehle auch etwas kreativ aus, aber bisher hatte er noch nie die feine Linie zur Befehlsverweigerung überschritten.

Selbst als sie in Camp Rhino gezwungen gewesen waren still zu halten und ihren Kameraden nicht zur Hilfe zu eilen, hatte er gehorcht. Dabei hatte alles in ihm geschrien, dass er sich endlich in einen Heli setzen und fliegen sollte. Es wäre unglaublich leicht gewesen. Als einer der ranghöchsten Offiziere im Stützpunkt hatte er die Schlüssel für die Helis seiner Einsatztruppe gehabt. Die Blackhawks waren betankt und startklar gewesen. Ein schneller Preflightcheck und er wäre in der Luft gewesen. Er hatte das Szenario hundertmal im Kopf durchgespielt, aber auch die Konsequenzen. Im Endeffekt hatte die Vernunft gesiegt, auch wenn es ihm wahnsinnig schwer gefallen war. Ohne Rob wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen, aber sein Kamerad hatte den Funk überwacht und ihm immer wieder mitgeteilt, dass ihre Kameraden aus Uzbekistan im Anflug waren und sich schon bald um die Verletzten kümmern würden. Er hatte es geschafft ihn ruhig zu halten, während das Feuer in ihm immer stärker gebrannt und ihm geradezu befohlen hatte, endlich die richtige Entscheidung zu treffen und die Menschen dort draußen zu retten. Doch jedes Mal wenn John schon fast so weit gewesen wäre aufzuspringen, vielleicht sogar seine Crew zu versammeln, hatte Rob ihn zurückgehalten. Gemeinsam hatten sie die Nacht überstanden.

Als die ersten Verwundeten eintrafen und schon bald klar war, dass ihr kleines Lazarett damit überfordert sein würde, hatten sie sogar als Ersthelfer und laienhafte Krankenpfleger mitgearbeitet. Glücklicherweise hatte es keine Toten gegeben. Ebenfalls war kein einziges Mal erwähnt worden, dass manche der Verletzten bessere Chancen gehabt hätten, wenn die Hilfe früher eingetroffen wäre. Viele von ihnen hatten sich das zwar wahrscheinlich gedacht, aber dadurch, dass es niemand aussprach, hatte sich dieser Gedanke nicht zu sehr manifestiert.

Am nächsten Tag, als die Sonne aufging, die Verwundeten stabilisiert waren und für den Weitertransport vorbereitet wurden, normalisierte sich das Leben im Camp wieder. Die nächsten Einsätze ließen die Erinnerungen an diese Nacht, in der er zum ersten Mal wirklich daran gedacht hatte, seine Befehle zu missachten, verblassen und irgendwann war er dann hier gelandet. Nur leider machte es ihm dieser Kommandant umso schwerer sich strikt an seine Anweisungen zu halten. Wenn er doch nur etwas tun könnte, um Cox auf seine Seite zu bringen und ihm zu zeigen, dass er all das, was in seiner Akte stand, und noch deutlich mehr konnte.

“Wenn ich ehrlich bin, wäre es mir lieber, es gäbe einen Grund. Dann könnte ich versuchen ihn aus der Welt zu schaffen.”, gestand John und begann schief zu grinsen, als Cadman einen Ausflug mit Cox Tochter vorschlug. Leider wäre das aber sicher auch nicht die Lösung. Besonders da, selbst wenn Cox wirklich eine Familie hätte, was John ernsthaft bezweifelte, der Colonel ihn einerseits sicher nicht in die Nähe seiner Tochter lassen würde und andererseits war die Familie gewiss in den vermeintlich sicheren Vereinigten Staaten. Das Leben in den Straßen von Kandahar war zwar so bunt und lebhaft, dass man an manchen Tagen gar nicht meinen konnte, dass wirklich Krieg herrschte. Aber dann jagte sich irgendwo wieder ein Selbstmordattentäter in die Luft und die Realität verdrängte jede orientalische Fantasie. Der Krieg war hart und noch schwerer war es für jemand wie ihn, der bei seinen letzten Einsätzen häufig nur ein klares Ziel gehabt hatte, den Weg dorthin hatte er aber häufig selbst und ohne eine Möglichkeit mit seinen Vorgesetzten Rücksprache zu halten finden müssen. Unter Cox Kommando fühlte sich John an manchen Tagen als hätte man ihn in Fesseln gelegt.

“Wir sind uns wohl einig, dass es besser ist, wenn er keine Tochter hat.”, erwiderte John ebenfalls in einem scherzenden Tonfall, obwohl weiterhin ein gewisser Ernst in seinen Augen lag. Immerhin hätte die Tochter dann genau dasselbe Problem wie Cadman: falsches Geschlecht. Dabei gab es so etwas wie das falsche Geschlecht nicht. Für einen Moment wanderte Johns Blick in die Ferne, als er sich daran erinnerte wie eine mutige, junge Frau vor nicht viel mehr als eineinviertel Jahren sein Leben gerettet hatte, während er schon fast keine Hoffnung mehr gehabt hatte, aber er fing sich sehr schnell und konzentrierte sich wieder auf das Hier und Jetzt. Zwar waren auch in der Air Force und besonders unter den Testpiloten, Special Ops und vor allen den Fallschirmjägern nur sehr wenige Frauen zu finden. Aber das musste nichts bedeuten. Wenigstens schien Cadman niemand zu sein, der sich von solch einem fiesen Kommentar unterkriegen ließ. Manch andere junge Frau würde sich dadurch beleidigt oder verletzt fühlen, aber wenn es Cadman so gehen sollte, dann war sie verdammt gut darin ihre Gefühle zu verbergen. Das hatten sie wohl gemeinsam. Das Problem war nur, dass ihn seine Augen immer wieder verrieten. Cadman dagegen wirkte, als würde sie diese Kommentare wirklich einfach so wegstecken.

“Lieutenant, Sie haben auf keinen Fall das falsche Geschlecht. Es mag körperliche Unterschiede geben. Aber ob ein Einsatz gelingt oder schief geht, entscheidet sich häufig im Kopf und ich glaube, Sie haben einiges im Köpfchen.”, erwiderte John ehrlich. Immerhin hatte er sich vor ein paar Stunden erst gründlich mit Cadmans Akte beschäftigt. Ihre körperlichen als auch die akademischen Leistungen sprachen für sich und wenn er irgendwann einmal in der Situation sein sollte, dass er sich ein Team zusammenstellen musste, dann würde er nach genau solchen Eigenschaften suchen.

Dass er sich von Cox unterkriegen lassen würde, stand aber vollkommen außer Frage. Das würde gewiss nicht geschehen. Solange er seine Kameraden hatte, würde er auch die ständigen Sticheleien und die Missionen, die manchmal eher für einen Lieutenant als für jemand, der schon auf der Beförderungsliste zum Lieutenant Colonel stand, geeignet waren, überstehen. Noch etwas mehr als zehn Monate, dann wäre er wieder zuhause und wieder ein Teil der Bridge Builders. General Hensley wusste wenigstens seine Fähigkeiten passend einzusetzen und war froh über seine manchmal doch etwas kreativen Lösungen.
“Danke und keine Sorge, das werde ich nicht. In ein paar Monaten ist das hier nur noch eine böse Erinnerung.” Auch jetzt erreichte sein schiefes Grinsen seine Augen nicht, denn diese böse Erinnerung ging noch viel tiefer als nur das Kommando von Colonel Cox. Sie begann bei den Angriffen auf das Pentagon an 911 und würde selbst, wenn er wieder zuhause war, gewiss auch noch einige Zeit in den Einsätzen, die er dort fliegen würde, nachhallen.

Nur was das Thema bezüglich Cadmans Befinden betraf, hätte sich John fast ohrfeigen können. Natürlich hatte sie nur mit Cox gespielt und ihm einen Spiegel vorgehalten. Warum hatte er das nicht direkt realisiert? Aber im Endeffekt hätte er wahrscheinlich doch fragen müssen. Hätte er es nämlich nicht getan und es wäre etwas geschehen, was dafür gesorgt hätte, dass der Einsatz schief ging, dann hätte er sich einerseits vorwerfen müssen, ob er in der Einsatzplanung nicht zu nachlässig gewesen war, andererseits hätte ihm Cox vermutlich genau das vorgehalten und damit hätte der Colonel eine weitere Möglichkeit gefunden ihm hier das Leben schwer zu machen. So schwer wie es ihm fiel und so beschämend wie die Situation weiterhin war, war es einfach besser gewesen darüber zu reden. So war das Thema aus der Welt und sie konnten sich wieder ganz darauf konzentrieren dieses Talibannest erfolgreich auszuräuchern.

“Das ist gut zu wissen. Dann können sie mir ja morgen zeigen, was sie draufhaben.”

Die Einladung zum Poker musste John jedoch ablehnen, genauso wie er heute auch nicht mit seinen Kameraden in die Bar gehen würde. Es gab einfach noch zu viel vorzubereiten. Außerdem wollte er auch noch einmal mit Rob sprechen. So wie er seinen Kameraden kannte, hatte er heute bei dem Testflug die Strecke genau so gewählt, dass er aus der Ferne noch einmal einen Blick auf die Lehmhütten werfen konnte. Vielleicht hatte sein Freund noch neue Erkenntnisse für ihn, die ihm bei der Vorbereitung der Mission helfen konnten. Genauso wollte er seinen besten Freund auch davon überzeugen das rote Team beim Training morgen anzuführen. Immerhin stand Rob ihm in seinen taktischen Fähigkeiten in nichts nach und würde ihnen das Leben beim Training ganz schön schwer machen. Aber besser ein schwieriges Training, als unvorbereitet in eine Mission zu gehen. Das Motto, das besonders die Marines vertraten, dass sie im Training litten, nur damit sie im Kampf nicht bluten mussten, fand John an dieser Stelle sehr passend.

Im Prinzip war es bei den Piloten nicht anders und John musste gestehen, dass er besonders später in der Testpilotenausbildung sehr gerne für das rote Team geflogen war. Die Kollegen so richtig in die Zange zu nehmen machte Spaß und die Flugzeit war länger. Selbst wenn man getroffen wurde, kehrte man einfach zum Start zurück und war dann wieder im Spiel. Im blauen Team bedeutete ein Treffer, dass man nach Hause musste. Sobald er wieder die vollständige Freigabe für Jets hatte, freute er sich nur zu sehr darauf wieder mit Schallgeschwindigkeit durch die Lüfte zu brausen und ein paar G zu ziehen. Vielleicht würde er auch erneut zur Edwards Air Force Base abgeordnet werden, um dort wieder ins Training zu kommen. John hätte nichts dagegen. Die Flugbedingungen dort in Arizona waren großartig und vielleicht durfte er noch ein paar weitere Kurse aus der Weapons School besuchen. Aber nun galt es erst einmal Operation Enduring Freedom hinter sich zu bringen.

“Danke, aber ich habe schon genug Geld bei Ihren Kollegen vom Marine Corps gelassen.”, erwiderte John lachend. In Camp Rhino hatte er häufig genug mit den Marines Poker gespielt und dabei oft genug verloren, obwohl er Karten gezählt hatte. Aber das hatten die Marines sehr schnell bemerkt und dann angefangen mit mehreren Decks zu spielen, was ihm die Kartenzählerei deutlich erschwert hatte. Im Endeffekt hatte er sich einfach eingestehen müssen, dass er nicht gut im Pokern war und seine Einsätze deutlich reduziert. Vermutlich war sein Pokerface einfach nicht gut genug. Da spielte er dann doch lieber Darts oder Billard mit seinen Kameraden. “Außerdem muss ich das Training vorbereiten und habe noch etwas Papierkram zu erledigen. Aber ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Pokern.”

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Laura Cadman
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Beitrag von Laura Cadman » 12.01.2026, 23:50

Es war kurz vor 0800 Ortszeit, als sich die Marines unter anderem mit Newman, Gilmore und Cadman sowie Rogers und Parker am südlichen Rollfeld einfanden. In der Nacht war aus nordöstlicher Richtung ein Tief über Kandahar und den Flughafen hinweggewandert. Die eisigen Temperaturen waren in der Nacht auf beinahe minus -10 °C gefallen. Der Wind war hörbar an den eingerichteten Quartieren, Container und Aufbauten vorbeigezogen. Gelegentlich hatte man es Pfeifen hören können, wenn der Luftzug einen schmalen Weg ins Innere fand. Die von dem US-Militär aufgestellten Generatoren warn an ihrer Belastungsgrenze gekommen, hatten aber weitestgehend den harschen Bedingungen getrotzt und zu einem Großteil in der vergangenen Nacht funktioniert. Soweit sie gehört hatte, gab es einen kleinen Ausfall in der Nähe der Humvee, aber das war bereits wieder instand gesetzt worden. Zwei Wartungstechniker hatte sie auf ihren Rückweg mitsamt Werkzeug, neben ihrer Uniform und der lokalen Ausführung an Standardausrüstung.
Die Nacht war recht kurz ausgefallen. Nachdem sie sich von dem Major getrennt hatte, der, wie er sagte, sich noch um die Planung des anstehenden Trainings beschäftigen wollte, hatte die Rotblonde, wie auch ihre Kameraden, die Zeit genutzt, ihre Uniform, von der vorhergegangenen Erkundungstour, abzulegen und sich unter die eingerichteten Duschen zu begeben. Die Militäroperation vom Flughafen aus weiterzuführen, erlaubte ein gewisses Maß an Luxus. Fließendes und vor allem warmes Wasser, mitsamt einer Toilette und einem Waschbecken, waren in Zeiten eines Krieges kein Gut das man für gewöhnlich in eine eingerichtete Unterkunft, einem Camp, stets vor Ort besaß.
Die Dusche war auch bitter nötig gewesen. Nicht, weil ihre Einheit an Marines besonders ins Schwitzen gekommen waren. Es waren die Stunden der Erkundungstour gewesen, die ihnen allen in den Knochen steckte. Im Gegensatz zu einer Limousine, bot ein gepanzertes Fahrzeug, wie die Humvee wenig Komfort. Darauf war auch das Fahrzeug niemals ausgelegt worden und bot daher nur das Nötigste. Bequem war es nicht. Pragmatisch und sollte ihnen, den Soldaten, den nötigen Schutz und Sicherheit geben. Dazu kam das unwegsame Gelände und die schlecht befahrbaren Straßen. Gefühlt hatten sie jede Unebenheit, jede Bodenwelle und jedes Schlagloch mitgenommen, die es zu finden galt. Laura würde sich persönlich deswegen niemals beschweren. Im Gegensatz dazu rebellierte ihr Sitzfleisch mit unangenehmen Reflexionen in der Muskulatur und Gewebe. Ein Aufbegehren, das jedoch vom Kopf einfach ignoriert wurde. Zur Seite geschoben.
Dann war da noch ihre Besprechung und auch dort hieß es zu sitzen. Allerdings waren die Stühle und die Sitzposition eine Verbesserung zur Gegenüberstellung ihres gepanzerten Gefährts. Außerdem war ein Großteil der Ausrüstung, wie das M16A2 bereits abgelegt worden, was einen gewissen Bonus einräumte. Man saß gerader und das ohne viel Krimskrams. Einziger Störenfried hier war Cox gewesen, den Cadman eigentlich hatte schneller aus ihren Gedanken verbannen wollen. Männer wie ihn hatte die Sprengstoffexpertin bereits kennengelernt und es wäre närrisch anzunehmen das der Colonel der Letzte wäre, der sich in die Liste derer die Vorurteile an den Tag legten, einreihen sollte. Es würde immer einen nächsten Cox geben. Was die Sache besser gemacht hätte, wäre vermutlich ein Boxsack, an dem sich die Marine hätte ausleben können. Zu ihrem Bedauern gehörte das leider in die Kategorie Luxusgut.
Hingegen war der Major einfach das komplette Gegenteil von ihrem gemeinsamen Vorgesetzten. Dabei vermied sie seine Nachfrage, nach ihrem körperlichen Wohlbefinden, als süß zu klassifizieren. Er hatte sich erkundigt und als Teamleiter, war dies auch sein gutes Recht, wie auch seine Pflicht. Es könnte die Mission beeinträchtigen und das könnte unter Umständen, im Worstcase Kameraden das Leben kosten. Daher empfand sie die Frage nicht als störend. Es zeigte nur das der Air Force Angehörige seiner Pflicht nachging und das zeichnete einen guten Offizier, ihrer Meinung nach, einfach aus. Wobei Cadman selbst die Reißleine ziehen würde. Würde sie es stören, da Männer wie Cox darin eine Bestätigung ihrer Vorstellung fanden? Bedauerlicherweise ja, aber deswegen ihre eigenen Kollegen und Kolleginnen in Gefahr bringen? Das würde sie mehr grämen. Für sie etwas das ein absolutes No-Go bedeutete. Ganz gleich was kommen mochte, den eigenen Stolz würde sie nicht über Menschen stellen.
Dagegen hatte sie die Pokerrunde gänzlich auf andere Gedanken gebracht. Von ihrem Vater hatte Cadman so viel gelernt das ihr Pokerface fast ungeschlagen blieb. So hatte sie fünf von sechs Runden für sich entscheiden können. Mit ihren Jungs war das immer wieder eine sehr angenehme und dankbare Sache und auch wenn sie noch einige Runden hätte machen können, so hatte der Lieutenant dann doch die Müdigkeit in den eigenen Knochen gespürt. Kurz darauf begaben sich die Marines in den ihnen zugewiesenen Bereichen, um für das morgige Training wieder fit zu sein.
Leicht fröstelnd stand die kleine Schar schließlich auf dem südlichen Rollfeld. Die Sonne war noch nicht aufgegangen. Allerdings zeichnete sich im Osten die Morgenröte ab. Der Boden war zugefroren. Abseits des Asphalts hatte man unter den schwarzen Stiefeln den Boden knirschen und ächzen hören können. Der Wind hatte an Stärke eingebüßt, dennoch zogen kalte Windböen über das Rollfeld entlang. Ohne Windschutz gewannen selbst die einfachen Böen wieder an Geschwindigkeit. Die Marine spürte ein leichtes Flattern am Stoff, während der kalte Wind die Augen reizte und sie dazu zwang zweimal hintereinander zu blinzeln. Aus den Augenwinkeln nahm sie Bewegung wahr und drehte ihren Kopf in die Richtung. Entdeckte die Silhouette des Dunkelhaarigen sofort.
„Major Shepard“, begrüßte Laura den herankommenden Kampfpiloten, salutierte standardgemäß vor dem Ranghöheren, der in Begleitung seiner Leute zu ihnen stieß.

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John Sheppard
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Beitrag von John Sheppard » 09.07.2026, 00:27

Nachdem auch Cadman gegangen war, gönnte sich John noch einen Moment für sich alleine im Besprechungsraum, erst dann kehrte er in die große Empfangshalle und zu seinen Kollegen zurück. Der Unterschied zwischen dem ruhigen Besprechungsraum und dem lebhaften Areal, wo sich seine Kameraden aufhielten, war deutlich spür- und vor allem auch hörbar. Heute schien der Unterschied noch einmal stärker zu sein. Junge Lieutenants und noch jüngere Airmen, die gerade die Ausbildung hinter sich hatten, liefen munter plaudernd umher. Viele hatten Umschläge, manche sogar Päckchen in der Hand. Mit der heutigen Frachtmaschine aus den USA war wohl auch die Feldpost gekommen.

Nicht, dass es John überhaupt interessieren würde. Er hatte niemand, der ihm überhaupt schreiben würde. Wenn mal Post für ihn dabei war, dann war es eine Rechnung oder irgendwelche Unterlagen bezüglich der Scheidung. Er war unglaublich froh, wenn dieses Thema endlich durch war. Dann würde er wirklich eine Runde in der Bar ausgeben, in der er sich häufig mit seinen Kameraden traf. Vielleicht würden es sogar zwei oder drei werden. Nun war er wirklich froh, dass sein Vater ihn damals überzeugt hatte einen Ehevertrag abzuschließen, der über die Standortfloskeln hinausging. Das machte aktuell einiges leichter und hatte verhindert, dass es einen Rosenkrieg gab. Wobei all die Probleme und Verhandlungen vermutlich mehr von Nancys Rechtsanwältin ausgingen, die unter dem Deckmantel, dass sie das beste für ihre Mandantin wollte, ihr Honorar maximieren wollte, als von seiner baldigen Ex-Frau. Sie wollte einfach mit Grant glücklich sein und nachdem er so unverfroren gewesen und wieder zurückgekehrt war, obwohl er ein Jahr lang im Einsatz vermisst gewesen und fast für tot erklärt worden war, war der einzige Weg die Scheidung gewesen. Für sie war das Thema vermutlich auch schon längst abgehakt gewesen, ihm tat fast jeder Brief, den er vom Rechtsanwalt erhielt und jedes Formular, das er ausfüllen musste, weh wie eintausend Nadelstiche. Er hatte schon viel mitgemacht, aber er hatte das Gefühl, dass nichts mehr weh tat als die Trennung von einer Person, von der man gedacht hatte, dass sie für immer an seiner Seite sein würde. Eine winzige Stimme in seinem Kopf fragte ihn zwar, ob er dabei wirklich an Nancy dachte, aber diesen Gedanken drängte er schnell zur Seite.

Ohne es wirklich zu bemerken, war er in den Strom derer geraten, die zur Postausgabe drängten und wunderte sich doch wieder darüber wie bunt gemischt die Gruppe der Soldaten doch war. Besonders bei den Reservisten waren viele dabei, die nicht zum Bild des typischen Soldaten passten. Präsident Bush hatte nicht gelogen als er wenige Tage nach 911 angekündigt hatte 35000 Reservisten zu aktivieren und nun waren diese Leute hier und John konnte nur hoffen, dass sie nicht als Kanonenfutter enden würden. Immerhin waren das größtenteils Leute, die ihre Pflichtzeit beim Militär schon hinter sich gelassen hatten und mit beiden Beinen im zivilen Leben standen. Besonders in dieser Gruppe waren viele junge Familienväter zu finden, die geradezu sehnsüchtig auf Post aus der Heimat warteten. Apropos Familienvater...

In der Nähe des kleinen Rückzugsorts, den Rob und er sich gebaut hatten, schaffte John es aus der Gruppe auszubrechen. Falls doch Post für ihn dabei sein sollte, dann würde er das schon früh genug erfahren, es gab keinen Grund sich ins Gedrängel zu stürzen, stattdessen verschwand John hinter dem ausgemusterten Fallschirm, den sie als Abtrennung verwendet hatten. Das war der Vorteil als Field Grade Officer: es war ziemlich leicht an Baumaterial zu kommen und wenn Rob und er eines waren, dann erfinderisch. Es fehlte noch ein ordentlicher Schlafplatz, dann hatte diese Nische wirklich das Potential zur Heimat fern der Heimat zu werden, zumindest bis sie eine permanentere Unterbringung erhalten würden.

Als er die Nische betrat, wurde er sofort von Alba, die auf die Stange geklettert war, an der sie den Fallschirm befestigt hatten, und einem ganz speziellen Geruch begrüßt. Sofort hielt John inne. Konnte das sein? War das...?

“Hey, John!”, begrüßte Rob ihn grinsend und reichte ihm eine Tasse mit tiefschwarzem, dampfenden Inhalt. Also hatte er sich doch nicht getäuscht. Es war Kaffee. Noch dazu ein richtig guter. Viel besser als alles, was in der Defac serviert wurde. Der beerige Geruch erfüllte ihr kleines Quartier und John fühlte sich an die vielen Stunden zurückerinnert, die Rob und er in ihrem gemeinsamen Büro auf der Andrews AFB verbracht hatten, während sie an irgendwelchen Berichten, Missionsvorbereitungen oder Flugplänen gearbeitet hatten. Irgendwann war immer einer von ihnen auf die Idee gekommen zum Starbucks auf dem Stützpunkt zu gehen und ordentlichen Kaffee zu holen. Irgendwann war es zur Tradition geworden und laut Leah hatte Rob diese Tradition sogar beibalten, als John verschwunden gewesen war und weiterhin zwei Tassen Kaffee geholt. Nun konnten sie endlich wieder gemeinsam Kaffee trinken und John schloss kurz die Augen, als er den ersten Schluck aus der silbernen Metalltasse nahm. Ja, so musste richtiger Kaffee schmecken. Fruchtig und doch herb mit tiefen Röstaromen, die sofort die Müdigkeit vertrieben.

“Gut, dass wir Leah haben, oder?”, meinte Rob nicht ohne Stolz auf seine fast sechs Jahre jüngere Ehefrau, die für Rob ihren Posten in ihrer alten Einheit aufgegeben hatte und nun im Air Force One Team arbeitete. Selber Stützpunkt, andere Kommandokette. Ihr alter General hatte Leahs Weggang bedauert, aber im Endeffekt hatte die Liebe gewonnen.

Um ihn nicht zu verlieren hatte Rob seinen Ring nicht mit nach Afghanistan genommen. Stattdessen hatte er sich von John inspirieren lassen und trug an seinen Hundemarken eine einzelne kleine Holzperle, die Leah für ihn ausgesucht hatte. John ging fest davon aus, dass Leah dasselbe tat. Sein Freund hatte wirklich Glück, dass er jemand wie Leah gefunden hatte und John war immer noch mehr als glücklich, dass er bei der Trauung an Robs Seite hatte stehen und die Liebe zwischen diesen beiden besonderen Menschen hatte bezeugen dürfen.

Genüsslich nahm John noch einen weiteren Schluck von dem herrlichen Gebräu, bevor er sich neben Rob auf den Schlafsack setze. In gemeinschaftlicher Stille tranken sie ihren Kaffee, bevor Johns Blick auf eine Pappschachtel und den ungeöffneten Brief neben Rob fiel. Er würde es niemals wagen Rob zu fragen, warum er den Brief noch nicht geöffnet hatte. Das war seine Entscheidung, doch anhand der Art wie Rob seiner leeren Tasse spielte, merkte John, dass Rob unruhig war. Er gab seinem Freund noch etwas Zeit, um seine Gedanken zu ordnen und vielleicht selbst das Wort zu ergreifen, doch als die Stille zwischen ihnen immer schwerer wurde, konnte John nicht anders als etwas zu sagen.

“Alles in Ordnung?”, fragte er behutsam.

Rob schluckte und ließ sich Zeit mit seiner Antwort.
“Er ist so dick.”

Für einen Moment wusste John nicht, was Rob meinte, doch dann fiel sein Blick auf den Brief. Er war tatsächlich deutlich dicker als Leahs üblich Briefe und John konnte sich vorstellen, was in Robs Kopf vor sich ging. Der Brief mit Johns Scheidungspapieren war ähnlich dick gewesen. Aber Leah würde Rob doch nie das Herzen brechen, so wie Nancy es bei ihm getan hatte, oder? Leah kümmerte sich so gut um Rob und versorgte ihn mit allem, was er vielleicht brauchen konnte. Selbst an John dachte sie immer wieder. Da konnte einfach nichts im Argen sein, oder? Außerdem erwarteten die beiden ihr erstes gemeinsames Kind. Schon bald würden sie eine richtige Familie sein und doch glaubte John die Spuren von getrockneten Tränen auf dem Umschlag erkennen zu können. Hoffentlich war nichts geschehen, aber das hätten sie dann sicher schon früher erfahren. Also was stand in dem Brief?

“Rob...”, begann John.

Er wusste nicht wirklich, was er sagen sollte. In seinen Augen gab es keinen Grund dafür, dass sich Rob Sorgen machen musste. Niemand schickte der Person, von der er sich trennen wollte, einen hervorragenden Kaffee und gleichzeitig die Scheidungsunterlagen. Und doch konnte er auch Robs Zurückhaltung verstehen. Sein Freund hatte mitbekommen, wie er davon erfahren hatte, dass seine Frau ihn nie wieder sehen wollte. Sie hatte noch nicht einmal den Mut gehabt, es ihm persönlich zu sagen. Stattdessen hatte sie ihn nicht im Krankenhaus besucht, während er sie am dringesten gebraucht hätte und ihm, als sie sich sicher war, dass er wahrscheinlich stabil genug war, einen Schlag versetzt, der ihn in seiner Genesung um Wochen zurückgeworfen hatte. Selbst jetzt tat der bloße Gedanke daran ihm immer noch weh und er war froh, dass damals Rob für ihn da gewesen war.

Dann kam noch hinzu, dass ein derart langer Kampfeinsatz eine echte Bewährungsprobe für jede Beziehung war. Vermutlich wäre das spätestens der Zeitpunkt gewesen, an dem Nancy ihn verlassen hätte. Aber es gab einen entscheidenden Unterschied zwischen Nancy und Leah. Nancy wusste fast nichts von seiner Welt und die Geheimaufträge hatten ihr gemeinsames Leben schwer belastet. Solange Leah auch bei den Bridge Builders gewesen war, hatte sie als Sekretärin von Hensley immer gewusst, wo Rob war und auch jetzt konnte sie seine Welt besser verstehen, als es Nancy je möglich gewesen wäre.

“Keine Sorge, sie hat dieses Mal wahrscheinlich nur mehr Zeit zum Schreiben gehabt.”, spekulierte John und schenkte seinem Freund ein aufmunterndes Lächeln.

Rob nickte zwar, aber John hatte das Gefühl, dass seine Worte gar nicht wirklich bei ihm ankamen. Um seinen Freund etwas Raum zu geben, stand John schließlich auf, berührte sanft Robs Schulter und ging dann zu seinem Bereich des Quartiers. Alba schien nur darauf gewartet zu haben. Als er sich näherte, breitete sie die Flügel aus und begann ihn mit ihren schwarzen Augen eindringlich zu beobachten. Leichte, kaum sichtbare Bewegungen in den Muskeln ihrer Flügel zeigten John deutlich, was die Falkendame geplant hatte. Damit es nicht gleich eine Bruchlandung geben würde, trat John rasch noch einen Schritt näher. Alba betrachtete das als Einladung und spreizte die Schwungfedern an ihrem rechten Flügel. An ihrem linken, ehemals gebrochenen Flügel zuckten die Federn kurz, doch der Flügel blieb krumm und unbrauchbar zum Fliegen. Daher begnügte sich der weiße Gerfalke mit einem beherzten Sprung, als John den linken Arm hob. Zielsicher landete seine gefiederte Freundin auf seinem Arm und ihre Krallen bohrten sich tief in den Ärmel seiner Uniform. Dank Alba hatte er auf dieser Seite unzählige Kratzer und blaue Flecken, aber daran störte er sich nicht. Neben Rob war sie der einzige echte Freund, den er hatte. Mitch, Dex und auch Holland waren seine Kumpel, aber ihnen würde er sich nie so anvertrauen, wie er es bei Rob und Alba tat. Dennoch verzog John das Gesicht, als Alba sich dazu entschied zu ihrer bevorzugten Stelle auf seiner Schulter zu klettern.

Rob musste das gesehen haben, denn er griff in sein Paket und zog eine Tüte heraus. Sie wirkte schwer und war dennoch mit Johns Name beschriftet.
“Hier.”, meinte Rob und deutete eine Wurfbewegung an.

Verwirrt runzelte John die Stirn, machte sich aber trotzdem bereit die Tüte zu fangen. Lediglich Alba war damit nicht einverstanden. Erschrocken von der plötzlichen Bewegung gab sie einen empörten Schrei von sich, der dafür sorgte, dass sogar ein paar der Hunde anfingen zu bellen. Dann sprang sie flatternd von seinem Arm und verschwand hinter Johns Reisetasche. Gespielt empört zog John den Kopf ein, während Rob anfing lautstark zu lachen. Na, das würde er noch bereuen. Bevor Rob reagieren konnte, bekam er Johns Kissen ins Gesicht. Rob ließ sich das nicht gefallen und das Kissen flog direkt wieder zurück. Wenn einer sie sehen würde, würde man sie gewiss fragen, ob sie junge Lieutenants oder Teamleiter waren. Aber in dem Moment war das sowohl John als auch Rob egal. Sie hatten Spaß und für einen Augenblick war die Härte ihrer Mission und alles, was sie bisher mitgemacht hatten, vergessen. Erst ein weiteres Kreischen von Alba brachte sie wieder zur Vernunft. Wenn Cox das mitbekommen hatte, dann würde es gehörig Ärger geben. Dabei war Alba ein Tier und verhielt sich eben auch so. Dass sie manchmal ihre Stimme hören ließ, gehörte nun einmal dazu, wenn man einen Vertreter des Wappentiers der Air Force in seiner Einheit hatte. Aber Cox war eben Cox. Ihn regte manchmal schon eine Mücke an der Wand auf. Alba sträubte die Federn, sprang auf seine Tasche und so wie sie aussah, war sie in der Stimmung um den ganzen Stützpunkt wach zu machen.

“Sei still. Sonst werde ich noch geteert und gefedert.”

“Dann braucht Cox nur noch Teer. Die Federn hast du schon.”, prustete Rob und konnte sich kaum noch halten vor lachen.

Als John eine Feder von der Schulter fiel, wusste er auch, was sein Kumpel meinte. Alba hatte ihm schon wieder eine ihrer Federn geschenkt. Das war heute schon die zweite Feder und John wusste nicht genau, was er davon halten sollte. War das normal? War sie in der Mauser? Oder konnte es ein Anzeichen für Stress sein? Er hatte keine Ahnung und er kannte leider auch keinen Tierarzt, den er fragen konnte. In Camp Rhino hatten sie alte Futterpläne gefunden und er sowie alle anderen, die sich um Alba kümmerten, versuchten sich daran zu hatten. 300 g Futter, vorzugsweise Geflügel, erschien ihnen realistisch, wobei sie ihr aus der Not heraus auch schon eingeweichtes Beef Jerky aus den britischen MREs gefüttert hatten. Der stark pürierte und hoch verarbeitete Brei in den amerikanischen Rationen war in ihren Augen nicht für einen Raubvogel geeignet. Vermutlich war er auch nicht wirklich gut für Menschen, aber das war ein gänzlich anderes Thema. Alba war wohl einiges gewöhnt, bisher hatte sie alles anstandslos gefressen und auch vertragen. Besonders in Camp Rhino hätten sie sonst sehr schnell Probleme bekommen. Hier am Flughafen war alles viel leichter, auch was die Nahrungsversorgung betraf und der Koch legte gerne etwas Huhn für ihr liebstes Markottchen zurück.

Alba hatte ihm inzwischen auch die plötzliche Bewegung verziehen und pirschte sich langsam wieder an. Für einen Raubvogel war sie schon fast zu zutraulich, aber John war das nur recht, dass sie so menschenbezogen war. Das machte sie zu einer perfekten Freundin für jemand, der sonst nur wenige Freunde hatte. Bevor sie ihn wieder in Beschlag nehmen konnte, zog er die Tüte, die er während ihrer Kissenschlacht hatte fallen lassen, wieder näher zu sich heran. Rob hatte inzwischen auch aufgehört sich zu kringeln vor Lachen und schaute neugierig zu ihm herüber. Das leichte Grinsen in seinem Gesicht verriet John, dass sein Freund bereits wusste oder zumindest ahnte, was Leah ihm da geschickt hatte.

Skeptisch sah John seinen Freund noch einmal an, dann griff er in die Tüte. Alba fand das Rascheln auch interessant und kam neugierig näher. Sie pickte nach der Tüte und sah ihn vorwurfsvoll an, als er das Plastik wegzog. Alba mochte zwar schon einiges vertragen haben, aber Plastik war dann wirklich nichts, was in einen Vogelmagen gehörte. Albas Empörung war zu süß anzusehen und doch begann sich John auf die erste Überraschung zu konzentrieren, die er seit einer gefühlten Ewigkeit erhalten hatte. Wenn man mal von der sehr unschönen Überraschung, die Nancy ihm bereitet hatte und dem Bild, das er von einem Kind am Ende seines letzten Undercoverauftrags geschenkt bekommen hatte, absah. Mit leicht gerunzelter Stirn tasteten Johns Finger nach dem Inhalt der Tüte und spürten schon bald Leder. Konnte es sein? Ein immer größer werdendes Grinsen schlich sich auf Johns Gesicht, als sich seine Hand um den Gegenstand schloss und er schließlich einen Falknerhandschuh aus der Tüte zog.

“Rob…”, begann John, besonders als er realisierte, dass da noch mehr war. Leah hatte auch an Geschüh und ein Federspiel für Alba gedacht.

Ihr Falke mochte nicht dauerhaft zur Einheit gehören und sobald es ihm gelingen würde Kontakt zu einer Tierhilfsorganisation aufzunehmen, war ihm klar, dass sie den Stützpunkt so schnell wie möglich verlassen würde, aber zumindest im Moment gehörte sie zu ihnen und dieses Zubehör… Das war genau das, was sie brauchten, um sich den Alltag mit ihrer gefiederten Freundin zu erleichtern. Ab jetzt würde es deutlich weniger blaue Flecken auf seinem Arm geben und auch wenn sie nicht mehr fliegen konnte, würde es Alba sicher Spaß machen mit dem Federspiel zu spielen. Schon jetzt beobachteten ihre schwarzen Augen aufmerksam jede Bewegung des Lederkissens. Es war deutlich zu sehen, dass sie schon früher damit trainiert worden war und dass es ihr Spaß gemacht hatte damit zu arbeiten. Jeder Muskel in ihrem Körper war angespannt, als sie von Johns Reisetasche sprang und sich auf das Leder stürzte. Erst als sie es zwischen den Klauen hatte, sah sie John erwartungsvoll an. Es war klar, was sie sagen wollte. Da würde er sich wohl demnächst irgendetwas einfallen lassen müssen, wie er Belohnungen für Alba in ihrem Quartier aufbewahren konnte. Rohes Fleisch würde unmöglich sein, aber vielleicht konnte er von den Briten, die hier ebenfalls ihre Zelte aufgeschlagen hatten, wieder etwas Jerky bekommen.

John streifte den Handschuh über seine linke Hand und streckte ihn Alba hin. Gut ausgebildet wie sie war, reagierte sie sofort und kletterte auf den Handschuh. Zum ersten Mal machte sie es sich auch dort gemütlich und machte sich nicht direkt auf den Weg, um seine Schulter zu erklimmen. Vielleicht würde ihn der Handschuh noch vor deutlich mehr blauen Flecken bewahren, als er zuerst gedacht hatte.

“Passt wie angegossen.”, freute sich Rob.

Also war er doch eingeweiht gewesen. Das war keine Überraschung von Leah, sondern irgendetwas, was Rob ausgeheckt und gemeinsam mit seiner Frau durchgeführt hatte. John seufzte und seine Schultern senkten sich. Wenn Alba nicht fast wie ein weißer Papagei auf dem Handschuh sitzen würde, hätte er ihn wieder abgelegt. Er wusste nicht, womit er diese Überraschung verdient hatte. Rob und er waren Waffenbrüder und so enge Freunde, dass sie fast als echte Brüder durchgehen könnten, aber diese Überraschung… Das erschien ihm zu viel. Die Falten auf Johns Stirn wurden immer tiefer und Rob wusste genau, was ihm bereits auf der Zunge lag.

“Jetzt schau nicht so. Denkst du nicht, dass mir aufgefallen ist, dass du noch nicht einmal eine Karte zu Weihnachten bekommen hast? Also haben Leah, Corinna, Kenneth, Tony und ich uns etwas einfallen lassen. Es ist zwar etwas spät, aber du weißt ja, wie das mit der Post ist. Das Paket war schneller in Afghanistan als die ursprüngliche Lieferung bei Leah eingetroffen ist. Deine Familie mag dich fallen gelassen haben, aber wir sind für dich da.”, versicherte ihm Rob und John konnte gar nicht sagen, wie gerührt er sich fühlte.

Geistesabwesend streichelte er über Albas Gefieder und nickte schließlich. Was er gerade empfand, ging noch deutlich tiefer als nur die Freude über eine unerwartete Überraschung knapp einen Monat nach Weihnachten. Er blickte Rob in die stahlblauen Augen und sah noch viel mehr nicht nur einen Kameraden sondern einen Bruder dort sitzen, der ihm so viel näher war als sein echter Bruder. Seine echte Familie mochte entschieden haben, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollten, aber er merkte deutlich, dass hier seine neue Familie saß oder zumindest ein Teil davon. Er hatte es schon gemerkt, als er zu den Bridge Builders gekommen war. Diese Einheit war anders als so viele andere, die er kennengelernt hatte. Ihre Arbeit war hart und beinhaltete für Agenten wie Tony, Rob und ihn häufig Solomissionen, aber dafür gab es auch einen unglaublichen Zusammenhalt. Rob und er mochten momentan hierher abkommandiert sein, während Tony und Kemp in Washington den Laden am Laufen hielten, aber sie waren immer noch Bridge Builder und in ein paar Monaten würden sie wieder zuhause sein. Dann würde er sich etwas einfallen lassen, wie er sich revanchieren konnte. Vielleicht würde er einen schönen Apple Crumble nach dem Rezept seiner Mutter backen. Er hatte zwar, seit er nach Korea geschickt worden war, nicht mehr gebacken, wenn man mal von den unglaublichen Delikatessen der Feldküche absah, aber dieses Rezept war so tief in seinem Kopf eingebrannt, dass er es vermutlich selbst nach Jahrzehnten noch auswendig backen könnte. Vielleicht würde ihm auch noch etwas anderes einfallen. Immerhin hatte er noch Monate, um zu überlegen, aber zumindest im Moment erschien es ihm passend, besonders da er sich nach dieser Aktion auch sehr gut vorstellen konnte, dass es eine team- oder sollte er besser sagen familieninterne Heimkehrfeier geben würde. Das würde dann sein Beitrag dazu werden.

“Das wäre doch nicht notwendig gewesen.”, sagte John trotzdem und Rob schüttelte nur den Kopf.

"Oh doch...", begann er, dann fiel sein Blick aber wieder auf den Brief und von einem Augenblick auf den anderen kippte die Stimmung in dem Quartier. Dabei war sich John nun endgültig sicher, dass Rob gar nichts zu befürchten hatte. Wenn Leah nicht mehr vollkommen hinter ihm stehen würde, dann hätte sie Rob nicht geholfen diese Idee umzusetzen, denn für ihn war klar, dass Leah für die Durchführung verantwortlich gewesen war. Und auf einmal wurde es John klar. Er hatte seine eigenen Sorgen auf Rob projiziert. Seinem Freund war es nie um seine Beziehung mit Leah gegangen. Da war alles sicher. Er hatte Angst, dass irgendetwas mit dem Baby war.

Als Rob und er ihren Marschbefehl bekommen hatten, hatte Leah den Vedacht geäußert, dass Rob Vater werden würde. Möglicherweise hatte sie sogar gehofft, dass Rob seine Versetzung abwenden könnte. Aber Rob hatte sich dazu entschieden nicht gegen den Befehl zu kämpfen sondern seine Versetzung zu akzeptieren. Service before self. Dieser Leitspruch war ihnen beiden sehr wichtig und außerdem war die Schwangerschaft damals nur ein vager Verdacht gewesen. Nun war Leah schon im dritten Monat und in dem Brief konnte wirklich alles stehen von “herzlichen Glückwunsch es sind Zwillinge” bis zu “Eileiterschwangerschaft, wir müssen eine Entscheidung treffen”. Aber das würde es schon nicht sein. Es würde gewiss alles gut gehen. Das wünschte er Rob und Leah von ganzem Herzen. Sie hatten es verdient glücklich zu sein. Wahrscheinlich waren die Tränen auf dem Umschlag nur Freuden- oder auch Sehnsuchtstränen.

“Rob...”, begann John und fand endlich die in seinen Augen richtigen Worte für Robs Problem. “Du findest es erst heraus, wenn du ihn öffnest. Ich bin da.”

Sein bester Freund nickte, sagte aber nichts dazu. Schließlich griff er dann doch nach dem Brief und öffnete ihn vorsichtig. Selbst von seinem Schlafsack aus konnte John deutlich sehen, warum der Umschlag so dick gewesen war. Er enthielt Bilder, vermutlich vom Ultraschall, Kopien von Seiten aus irgendwelchen Einrichtungskatalogen und unzählige Seiten handschriftlichen Text. Rob legte die Katalogseiten zur Seite, die Bilder betrachtete er kurz und umklammerte sie dann fest, während er den Brief las. Für eine Weile hörte man in dem Quartier nichts, bis auf Albas leises Schnabelklappern, während er sanft den Kopf und gelegentlich auch den Schnabel der Falkendame streichelte, und die Geräusche von außerhalb. Das nächste Mal als John zu Rob blickte, sah er, dass sein Freund Tränen in den Augen hatte, doch sein Gesichtsausdruck verriet ihm, dass sein Kumpel nicht traurig war, sondern, dass es sich um Freudentränen handelte.

Als Rob mit dem Brief fertig war und sich die Ultraschallbilder noch genauer betrachtete, stand John auf und setzte sich wieder neben seinen Freund. Ohne zu zögern ließ Rob es zu, dass er sich die Bilder ebenfalls ansah. Es war wunderschön. Ein großer Kopf und ein kleiner Körper. Das Baby war vielleicht so groß wie ein Tennissball und doch schon ein wunderschöner, kleiner Mensch, Robs ganzer Stolz und Johns zukünftiges Patenkind.

“John.”, hauchte Rob und ließ sich gegen ihn sinken. John setzte Alba auf dem Boden ab und legte die Arme um seinen Bruder.

“Herzlichen Glückwunsch, Papa.”

Rob lehnte sich noch fester an ihn. Tränen fielen auf Johns Schulter und er wusste genau, was nun im Kopf seines Freundes vor sich ging. Er war glücklich, gleichzeitig aber traurig. Er verpasste so viele wunderschöne Momente mit seiner Frau. Er hatte nicht neben ihr stehen und ihre Hand halten können, als sie zum ersten Mal ihr Kind gesehen hatte. Er hatte ihr nicht den Rücken stärken können, als sie ihrem Vorgesetzten mitgeteilt hatte, dass sie schwanger war. Als Bürokraft war das zwar kein ganz so großer Schritt wie bei einer Pilotin, aber es bedeutete trotzdem, dass sie bald für einige Zeit ausfallen würde. Selbst bei der Einrichtung des Kinderzimmers konnte Rob nicht helfen. John kannte es von einer Freundin von der Virginia Tech. Sie sagte sich, nun wo sie Kinder hatte, zwar, dass sie durch ihre Arbeit als Cop nicht nur ihre eigenen Kinder schützte, sondern so viele andere auch, aber er konnte sich gut vorstellen, dass auch sie manchmal Zweifel hatte.

Für Rob und ihn war es noch schlimmer. Er konnte ja noch nicht einmal sagen, ob sie wirklich das richtige taten. Natürlich mussten die Taliban und al-Qaida gestoppt werden. Natürlich durfte sich so etwas wie 911 niemals wiederholen. Aber war Operation Enduring Freedom der richtige Weg oder würde Afghanistan auch nach diesem Krieg keinen andauernden Frieden erleben? Er wusste es nicht, aber die Leiche von Albas vermeintlichen früheren Besitzer, der bei seiner Flucht aus Camp Rhino erschossen worden war, obwohl er unbewaffnet gewesen war und nur ein Tier in Sicherheit bringen wollte, oder auch die Toten von Shawali Kowt hatten ihn zweifeln lassen, ob ihre Mission wirklich so sinnvoll war, wie jeder behauptete.

Aber dann dachte er auch an das Chaos von 911. Er hatte John Ogonowski, den Pilot von AA11, gekannt. Zwei ehemalige Soldaten hatten das Flugzeug gesteuert. Der eine von der Air Force, der andere von der Navy. Sie hatten ihr Cockpit bis zum Tod verteidigt, dessen war sich John sicher und doch waren die beiden überwältigt worden. Dann war da der Angriff auf das Pentagon. Das Blut. Die Grausamkeit. Und doch fragte er sich, ob es nicht wichtiger war bei seiner Familie zu sein. Rob würde ja noch nicht einmal bei der Geburt Leahs Hand halten können. Würde ihr Einsatz wirklich bewirken, dass so viel mehr Männer ihre Familie in den Armen halten konnten? Oder noch mehr Kinder ohne Angst aufwachsen konnten? John wusste es nicht, aber die Zweifel wollten ihn nicht loslassen, besonders nun, wo Rob weinend in seinen Armen lag und sich selbst in Johns Hals ein immer größerer Kloß bildete. Eine Stimme in seinem Unterbewusstsein sagte ihm, dass Rob nach Hause gehörte, aber zur selben Zeit wusste er, dass Robs Ehrgefühl ihn hier halten würde. In dieser Hinsicht waren sie sich leider etwas zu ähnlich.

John merkte, wie Robs Griff langsam schwächer wurde und er ließ seinen Kameraden los. Noch während Rob sich die Tränen fortwischte, entdeckte John eine Struktur auf dem Ultraschallbild und begann zu lachen.
“Ich glaube, dein Kind wird Pilot.“

Verwirrt runzelte Rob die Stirn, bis John auf die Struktur deutete.
“Stimmt, das ist ein Flugzeug. Vielleicht eine Cessna.“, fing Rob ebenfalls an zu lachen.

“Jeder fängt mal klein an.”, scherzte John weiter. Keiner der beiden realisierte in dem Moment, dass die Struktur noch mehr Ähnlichkeit mit einem Kreuz hatte. Sie lachten und scherzten, machten sich noch eine weitere Tasse ordentlichen Kaffee, probierten von den Keksen, die Leah mitgeschickt hatte und diskutierten über die Einrichtung des Kinderzimmers.

Die Sonne ging bereits unter als John Rob fragte, ob er ihm beim Training helfen würde. Selbstverständlich stimmte sein Kamerad zu und verließ dann für eine Weile das Quartier, um alles vorzubereiten. John blieb alleine zurück und sein Blick fiel wieder auf die Bilder vom Ultraschall. Er konnte gar nicht sagen, wie sehr er sich wünschte dort oben am Rand würde Sheppard statt Lawrence stehen. Trotz der Scheidung ließ ihn der Wunsch nach einer eigenen Familie einfach nicht los. Selbst als er endlich in seinem Schlafsack lag und versuchte etwas Ruhe zu finden kreisten seine Gedanken weiterhin um die eine Sache, die er sich am meisten wünschte und die er wohl nie bekommen würde. Niemand würde es jemals schaffen einen geschiedenen Chaoten wie ihn lange genug zu ertragen, sodass das Thema Ehe und Kinder überhaupt in Betracht kamen. Also würde er sich auf das konzentrieren, was er konnte. Kämpfen, fliegen und dafür sorgen, dass Leute wie Rob ein gutes Leben mit ihrer Familie führen konnten. In dieser Nacht traf John eine Entscheidung: Er würde alles, was in seiner Macht stand, tun, damit Rob zur Geburt bei Leah war und sein Baby im Arm halten konnte. Irgendeinen Weg würde es sicher geben. Dieses kleine Wesen, das er auf dem Ultraschallbild gesehen hatte, hatte es verdient seinen Vater an seinem ersten Lebenstag und nicht erst Monate später kennen zu lernen.

In seinen Gedanken sah er Rob, wie er im Krankenhaus stand und ein kleines, noch ganz zerknautschtes Mäuschen im Arm hielt. Er merkte gar nicht wie er mit diesem Gedanken im Kopf langsam in den Schlaf abdriftete und auf einmal war es nicht mehr Rob, der das jüngste Mitglied seiner Familie im Arm hielt, sondern er selbst. Es war wunderschön dieses kleine Wesen zu halten. Ein wenig Flaum hatte es schon auf dem Kopf. Dieser ließ aber noch nicht wirklich erahnen, welche Haarfarbe es später einmal haben würde. Es könnte dunkelbraun, fast schwarz sein oder auch braun wie bei seiner Mutter. Die kleinen Augen waren geschlossen. Die Atmung war ganz ruhig. Es war nicht zu übersehen, dass der Schatz sich in seinen Armen wohlfühlte.

John konnte gar nicht aufhören, dieses kleine Wunder zu betrachten. Es war perfekt. Fünf Zehen an jedem Fuß. Je fünf Finger an den winzigen Händen. Zwei blaue Augen, die ihn schon einmal kurz angeblinzelt hatten. Eine Stupsnase und ein süßer kleiner Mund, den sein Schatz im Schlaf leicht geöffnet hatte. Konnte es überhaupt etwas schöneres geben? Selbst Fliegen konnte die Gefühle, die er gerade empfand, nicht übertreffen. Natürlich machte er sich Sorgen, dass er dieselben Fehler wie sein eigener Vater machen würde, aber für diesen einen Moment fühlte er sich glücklicher als er sich jemals gefühlt hatte und er wusste, dass er alles tun würde, damit sein Baby in einer Welt aufwachsen konnte, in der es in Sicherheit war und keine Sorgen haben musste. Dieses kleine Wesen war sein Grund zu kämpfen und durchzuhalten; egal was geschah.

Sanft streichelt er seinem Sohn noch einmal über die so unglaublich zarte Wange, bevor er sich auf den Rand des Bettes setzte, in dem seine Frau, die Mutter seines Kindes, lag. Ihr braunes Haar war verschwitzt. Sie wirkte noch müde und doch schien auch sie glücklich zu sein. Sie hatten so lange auf diesen Moment gewartet und nun hatte endlich dieser neue Abschnitt ihres gemeinsamen Lebens begonnen. Langsam ließ er seinen Oberkörper neben ihren sinken und spürte sofort wieder diese Nähe und Verbundenheit, die ihm schon einmal das Leben gerettet hatte. Ihre Hand fand seine und gemeinsam bewunderten sie das schönste Geschöpf, das es jemals gegeben hatte. Endlich war sein Leben komplett und auch wenn es ihm schwer fiel seinen Blick von dem Baby abzuwenden, drehte er den Kopf zu seiner Frau und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. „Ich liebe dich, T...“

“Aufstehen, John!“, wurde er von Robs Stimme aus dem Schlaf gerissen.

Seine Arme, die einen Zipfel seiner Decke umklammert hielten, fühlten sich plötzlich seltsam leer an. John versuchte mit aller Kraft die Traumbilder und die Wärme festzuhalten, doch je mehr er es versuchte, desto mehr entglitten sie ihm. In dem Moment, als er die Augen öffnete, war die Erinnerung verschwunden. Er wusste nur noch, dass er für einen Moment etwas wunderbares erlebt hatte und nun war es fort. Er konnte gar nicht sagen warum, aber es machte die Leere, die Nancy in seinem Herz hinterlassen hatte, nur noch größer.

“Na gut geschlafen?“, fragte sein Kamerad keck und auch wenn er sich nicht erinnern konnte, wusste er genau, dass er ausnahmsweise nicht lügen würde, wenn er Robs Frage mit einem Ja beantwortete. Wobei er das wahrscheinlich gar nicht musste. Robs Grinsen verriet ihm, dass sein Freund wohl schon eine Weile wach war und gesehen hatte, dass er das erste Mal seit langem wieder gut geträumt hatte. Wenn er sich doch bloß erinnern könnte. Er konnte noch problemlos sagen, dass er vorletzte Nacht wieder einmal Jun-Hyuns fiese Visage im Traum gesehen hatte, aber der Traum von dieser Nacht war einfach verschwunden und hatte ihn mit einem leeren Gefühl alleine gelassen.

Apropos verschwunden und leer. Als John sich aufsetzte, konnte er seine geflügelte Freundin nirgends entdecken. Er hatte ihr gestern Abend noch das Geschüh angelegt und sie an seiner Reisetasche angebunden, damit sie nicht alleine auf Streifzüge ging und sich vielleicht in Schwierigkeiten brachte, aber irgendwie musste sie sich doch befreit haben.

“Verdammt!”, fluchte John. Es war kurz vor fünf Uhr morgen. Eigentlich sollten sie eine Runde joggen gehen und sich dann für den Morgenappell vorbereiten. Aber heute morgen würden sie wohl nach diesem verrückten Raubvogel suchen. Hoffentlich war sie nicht irgendwohin geklettert, wo sie sie nicht einfangen konnten.

Zumindest befürchtete er das, bis er merkte, dass Rob ihm auch da einen Schritt voraus war. Das freche Grinsen wollte einfach nicht aus Robs Gesicht verschwinden und John ahnte schon, dass heute so ein Tag werden würde, wo Rob bei nahezu allem die Oberhand hatte. Na, das konnte ja etwas werden beim Training. Rob gefiel sich in seinen Augen etwas zu gut in seiner Rolle als Leiter des roten Teams. Aber er hatte es ja nicht anders gewollt. Er hätte auch einen anderen Offizier fragen können, doch wenn er schon ein Training plante, dann wollte er auch ordentlich gefordert werden und genau das würde er mit Rob als seinem Widersacher erreichen. Aber nun galt es erst einmal seinen verrückten Vogel zu finden, sonst würde sich Cox ebenfalls dem roten Team anschließen.

Endlich war Rob der Meinung, dass er ihn genug gequält hatte und meinte lachend.
“Keine Sorge, sie ist bei deinen Handlangern von der E4 Mafia. Sie konnten wohl irgendwo frische Hühnerflügel besorgen und füttern sie gerade.”

Schmunzelnd schüttelte John den Kopf. Warum hatte er nicht gleich daran gedacht? Diese jungen Airmen stritten sich regelrecht darum, wer sich um Alba kümmern durfte. Wo es sonst sehr klare Befehle brauchte, um diesen Inbegriff der Chair Force dazu zu bringen sich zu bewegen, wurden sie hier sogar von selbst tätig. John war das nur recht. Sie halfen ihm sehr, wenn es um die Betreuung ihres inoffiziellen Maskottchens ging und im Gegenzug drückte er häufig alle Augen zu, wenn er die Bande mal wieder beim Faulenzen oder Delegieren von irgendwelchen Aufgaben, die eigentlich für sie bestimmt waren, erwischte. Brauchten die Jungs einen Flug oder hatten Lust mal wieder im Hubschrauber zu sitzen, sorgte John dafür, dass sie einen Platz bekamen oder auf dem Dienstplan als Bordschütze oder Techniker landeten. Dafür benutzten sie ihre Fähigkeiten in der strategischen Materialbeschaffung, kurz gesagt im Stehlen, um Alba so gut wie möglich zu versorgen.

Diese Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen hatte ihm die Loyalität dieser Senior Airmen eingebracht und vermutlich noch mehr Cox Wut. Jeder wusste, dass derjenige, der die E4s im Griff hatte, auch einen Großteil der restlichen Einheit hinter sich hatte und obwohl John nur der vierte in der Rangfolge war, war er definitiv derjenige, dem diese Jungs folgten. Manchmal erhielten sie sogar Unterstützung vom Lance Coporal Untergrund der Marines, immerhin eignete sich das Futter der Diensthunde auch ganz gut als Vogelfutter, wodurch sich Johns indirekte Macht auch bis zu den Marines erstreckte. Er war nun einmal sehr gut darin Brücken zu bauen und Teams zu schmieden und genau das war ihm innerhalb der vier Wochen, die er nun schon hier war, bereits gut gelungen. Nicht, dass er sich etwas darauf einbildete. Er bevorzugte nur Kooperation statt Konfrontation wie es bei Cox fast immer auf der Tagesordnung stand. Rob würde eine Zusammenarbeit mit der Mafia auch hinbekommen, aber sein Kamerad mochte die Regeln dann doch etwas zu sehr. John dagegen teilte die Einstellung seiner E4s, dass Regeln durchaus auch gebogen werden durften. Man musste nur aufpassen, wo der feine Unterschied zwischen dem Biegen und Brechen der Regeln lag. Doch das Wandern auf diesem schmalen Grad hatte er seit dem ROTC Programm geübt und inzwischen geradezu perfektioniert.

Ein Blick aus dem Fenster zeigte ihm, dass die Temperaturen über Nacht empfindlich gefallen sein mussten. Noch war die Sonne nicht aufgegangen, aber auf dem hell beleuchteten Rollfeld zeigte sich eine glänzende Schicht aus Eiskristallen. Hier im Flughafen merkte man nichts davon. Die Heizung und die Lüftung liefen. Es war nicht zu warm und nicht zu kalt. Aber bei der Glätte draußen war Joggen im Freien leider ausgeschlossen. Einen richtigen Trainingsraum hatten sie noch nicht, das Equipment dafür musste erst noch geliefert werden, aber wegen schlechtem Wetter das Training ausfallen zu lassen, kam weder für Rob noch John infrage. Besonders da für John noch mehr auf dem Spiel stand als nur seine Fitness. Er kämpfte immer noch um seine Freigabe für Jets zurückzuerhalten. Hubschrauber und Flugzeuge, die nicht dafür gebaut waren, dass sie überhaupt hohe Gs ziehen konnten, waren kein Thema, aber für die F16 musste er mehr als nur fit sein und er hatte sich vorgenommen, dass er genau diesen Punkt nach seiner Tour hier in Afghanistan wieder erreicht haben würde. Das Training durfte also unter keinen Umständen ausfallen, aber es gab glücklicherweise eine Alternative.

“Gepäckabfertigung?”, fragte John mit einem frechen Grinsen.

”Gepäckabfertigung.”, stimmte Rob zu.

Wenig später verschwanden sie in ihren PTs in den gigantischen unterirdischen Hallen des Flughafens. Die Räumlichkeiten waren nicht beheizt. Früher hatten sicher all die Maschinen dafür gesorgt, dass es selbst an einem Wintertag zu warm war. Aber nun standen die Förderbänder still. Die letzten Gepäckstücke waren im Oktober hier transportiert worden, danach hatte der Flughafen seinen Dienst eingestellt und würde ihn sicher auch so bald nicht mehr aufnehmen. Es mochte düster sein, nach Maschinenöl riechen, aber es war auch der perfekte Trainingsort. Schon mehr als einmal hatten die Maschinen ihnen als Hindernisparcours gedient und auch heute würde es nicht anders sein.

Nachdem sie sich warm gemacht hatten, begannen sie zu joggen. Schon bald bezogen sie auch die Maschinen mit ein, bis John es schaffte Rob aus dem Hinterhalt anzugreifen. Rob wehrte sich und im Nu waren sie in ein intensives Nahkampftraining verwickelt. Da sie später noch einmal trainieren wollten, hielten sie die morgendliche Trainingseinheit etwas kürzer als gewöhnlich, dennoch waren sie geschwitzt, als sie die unterirdischen Bereiche des Flughafens verließen und zu den Duschen gingen. Rob war gut gelaunt. Auch John gab nach außen hin vor, dass er Spaß gehabt hatte, aber innerlich konnte er nicht verhindern, dass er wieder anfing zu grübeln. Auch heute war Robs Ausdauer deutlich besser gewesen als seine. Viel zu bald hatten seine Lungen angefangen zu brennen. Er war fit genug um jeden Fitnesstest für Soldaten zu bewältigen, aber eben nicht für Jetpiloten und manchmal fragte er sich, ob er das jemals wieder sein würde oder ob die Folgen der schweren Lungenentzündung, die er vor einem dreiviertel Jahr gehabt hatte, niemals ganz verschwinden würden. Rob musste bemerkt haben, dass er sich wieder in Grübeleien verlor, denn er behauptete, dass das Training doch gut gelaufen war. Das Problem war nur, dass John es nicht so sah. Er wollte mehr, aber er wusste auch, dass solche Verletzungen nicht einfach von heute auf morgen verschwanden. So etwas brauchte Zeit. Manchmal sogar Jahre.

Nachdem sie sich geduscht hatten, war es Zeit für den Morgenappell. Als dritter in der Rangfolge stand Rob bei Cox. John fand einen Platz bei Holland, Mitch, Dex und den anderen Piloten. Alba saß auf dem Arm vom Airman Heather Marshall. Sie pickte nach ihrem Geschüh. Doch als die Flaggen ihres schon fast internationalen Kampfverbands gehisst wurden, hob auch sie stolz ihren Kopf. Es gab keinen Zweifel. Sie war ihr Maskottchen und zum ersten Mal, glaubte John auch Cox wohlwollend in Albas Richtung blicken zu sehen. Der Rest des Appells verlief so wie John es schon seit Jahren gewohnt war, es gab noch eine kurze Ansprache, dann war es Zeit für das Frühstück. Inzwischen war Stille zwischen Rob und John eingekehrt. In Gedanken gingen sie beide das Training durch und machten sich mental bereit.

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Pünktlich und in voller Ausrüstung betrat John gemeinsam mit Holland und Miller um 0800 das südliche Rollfeld. Noch hing die P90 locker an ihrem Gurt an seiner Brust, die Beretta lag sicher im Holster an seinem Bein. Beides waren Trainingswaffen. Für den richtigen Einsatz würde er wieder seinen Colt wählen. Er erwiderte den Salut seines Teams und ließ dann seinen Blick über die Gruppe schweifen. Er war sehr zufrieden, dass nicht nur die Marines sondern auch seine Hubschraubercrew da war. Sie würden zwar bei dem Einsatz nur am Rande dabei sein und den Hubschrauber bewachen, aber ein wenig Training konnte nie schaden.

“Guten Morgen!”, begrüßte er seine Mannschaft. “Wir werden heute im alten Hangar trainieren. Aufklärungsinformationen zufolge befindet sich dort eine Gruppe Taliban, die neben P90ern auch schwere Waffen in ihrem Besitz gebracht haben. Es ist mit Sprengfallen zu rechnen. Die Situation im alten Hangar ist unübersichtlich. Kisten, Paletten und ein alter russischer Hubschrauber versperren die Sicht. Ziel ist es das Waffenlager zu sichern und alle Taliban in Gewahrsam zu nehmen oder zu töten. Dreierteams. Wir dringen geschlossen ein und teilen uns dann auf. Die Regeln für das Training entsprechen dem Standard. Treffer an Armen oder Beinen machen das entsprechende Körperteil nutzlos. Treffer am Kopf oder Torso sind tödlich. Wer nahe genug an Pyrotechnik ist, dass er die Funken abbekommt, ist tot. Verstanden?”, fragte John und ließ seinen Blick noch einmal über die Gruppe schweifen, während er seine Hände schon an die P90 legte. Er war bereit.

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